56  1.  Buch.  4.  Kapitel.
Regensburg.  Auch  von  der  Gefahr,  welche  eine  neue  Empörung
Herzog  Welfs  VI.  während  seiner  Abwesenheit  über  das  Reich  bringen
konnte,  wurde  Conrad  befreit:  Welf  hatte  schon  zu  Weihnachten
1146  auf  seinem  Schlosse  Peiting  das  Kreuz  genommen.  7  ·-Weit

  und  breit  durchzogen  nun  wieder  Geistliche  kreuzpredigend
das  Land  und  von  Tag  zu  Tage  wuchs  die  Begeisterung  für  eine
Unternehmung,  die  im  Anfang  so  wenig  Aussicht  auf  Verwirklichung
zu  haben  schien.  Aber  nicht  blos  im  südlichen  und  mittleren  Deutschland
  flammte  die  Begeisterung  für  den  Kreuzzug  empor,  auch  weit
hinauf  nach  dem  Norden  und  Osten,  ja  bis  in  das  ferne  Dänemark
drang  sie.  Doch  nahm  hier  der  Eifer  für  den  Kreuzzug  eine  eigenthümliche,
  durch  die  nächsten  Bedürfnisse  des  Landes  allerdings
gebotene  Richtung.  Wohl  waren  die  Sachsen  bereit  gegen  die  Feinde
des  Christenthums  die  Waffen  zu  ergreifen,  auch  waren  die  vom
Papste  gewährten  Freiheiten  und  Vortheile,  welche  sich  Hoch  und
Niedrig  durch  Annahme  des  Kreuzes  erwerben  konnte,  für  sie  gewiß
nicht  weniger  lockend:  )  aber  in  den  fernen  Orient  zu  ziehen  und
vort  ihre  Kraft  im  Kampfe  mit  einem  Feinde  zu  verschwenden,  der
sie  nicht  direkt  gefährdete,  während  doch  unmittelbar  an  ihren
eigenen  Grenzen,  ja  innerhalb  derselben  ein  anderer  für  sie  viel
mehr  zu  fürchtender  Feind  noch  unbesiegt  war,  konnten  sie  natürlich
  keine  große  Neigung  spüren.  Es  mischte  sich  hier  in  ihren
Eifer,  dem  Rufe  zum  Kreuzzuge  Folge  zu  leisten,  ein  gewisses  selbstsüchtiges
  Interesse:  gern  wollten  sie  den  Ruhm  und  die  Vortheile
auf  sich  nehmen,  welche  den  Trägern  des  Kreuzes  sicher  waren,  aber
nicht  Gefahr  laufen  in  Abwesenheit  ihrer  tüchtigsten  Kriegsmannen
von  den  andringenden,  in  der  letzten  Zeit  so  entschieden  auf  Eroberung
  ausgehenden  Slaven  im  eigenen  Lande  überwältigt  zu  werden.
So  beschlossen  denn  die  norddeutschen,  namentlich  die  sächsischen

Fürsten  einen  Kreuzzug  gegen  die
noch  im  Heidenthum  beharrten.?)

1)  Otto  Fris.  Vita  Fr.  I,  10:  Guelfo
lü#que,  Henrici  prioris  dueis  frator,
in  ibsa  nativitatis  dominicnc  nocte  in
Propria  villa  Bitengou  candem  militiam
  cum  multis  professus  fuernt.

2)  Wie  sehr  allerhand  lockeres  Gesindel
  dieselben  sich  zu  Nutze  zu  machen

wußte,  beweist  die  rp  r  Ott.
Vita  Fr.  I,  40:  Tanta  etiam  t5#
dictu)  prardonum  et  latronum  advolabat
  multitudo,  ut  nullus  sani  capitis

Slaven  zu  unternehmen,  welche
Der  Papst  erklärte  sich  mit  dieser

hane  tam  subitam  quum  insolitam
mutationem  ex  dextra  exeolsi  provenire
non  cognosceret,  cognoscendo  attonita
mente  non  obstupesceret.

3)  Otto  Fris.  1.  c.  Salones  vero,
quia  quasdam  gentes  spurcitiis  idelorum
  deditas  ricinas  habent,  ad  Orien--tem
  prolicisei  abnuentes,  eruces  itidem
easdem  gentes  bello  attentaturi  assum-Pserunt.
