66  1.  Buch.  4.  Kapitel.

schen  eutgegensetzten,  erkannten  die  Fürsten  allmählich  sehr  wohl,  daß
mit  einem  oder  mehreren  Siegen  hier  gar  nichts  gewonnen,  vielmehr
erst  dann  ein  wirklich  dauerndes  Resultat  erkämpft  sein  würde,  wenn
die  Slaven  fast  vernichtet  und  ausgerottet  wären.  Den  Kampf
aber  bis  zu  diesem  äußersten  Punkte  zu  führen,  waren  sie  keineswegs
  gesonnen.  Namentlich  die  den  Slaven  zunächst  sitzenden  und
mit  ihrer  Macht  am  meisten  gegen  sie  gewandten  Fürsten,  wie  Herzog
  Heinrich  und  Albrecht  der  Bär  fanden,  daß  ein  Vernichtungskrieg
  gegen  die  Slaven  keineswegs  in  ihrem  Interesse  liege.)  Nicht
bloß  Handel  und  Wandel  nämlich  wurden  durch  den  Verkehr  mit
diesen  Nachbarn  gehoben,  sondern  eine  allmähliche  Eroberung  des
Landes  schien  für  sie  auch  viel  vortheilhafter:  vor  allen  Dingen  aber
hatten  diese  Fürsten  von  den  kleinen  erfolgreichen,  öfters  wiederholten
  Kämpfen  mit  den  Slaven  für  ihre  Finanzen  einen  sehr  bedeutenden
  Vortheil,  indem  sie  stets  neue  sehr  hohe  Steuern  und  Tributzahlungen
  erhielten.  Um  sich  nun  diese  reiche  Quelle  nicht  abzuschneiden,
  namentlich  auch  um  durch  ein  allzu  ernstliches  Auftreten
die  Slaven  nicht  zum  äußersten  Widerstande  zu  treiben,  sondern  sie
durch  Milde  für  sich  zu  gewinnen,  ließen  die  beiden  zunächst  betheiligten
  Fürsten,  Heinrich  von  Sachsen  und  Albrecht  der  Bär,  in
ihrem  Kampfeseifer  merklich  nach;  ja,  bald  war  es  ganz  unverkennbar,
  daß  sie  die  Slaven  zu  schonen  bemüht  waren.)  So  kam  es
denn,  daß  die  Fürsten  allmählich  alle  Lust  an  der  Unternehmung  verloren
  und  schließlich  einen  für  die  Slaven  sehr  günstigen,  mit  dem
großartigen  Anfang  und  der  kirchlichen  Weihe  des  Zuges  aber  in
schneidendem  Contrast  stehenden  Frieden  eingingen.  Die  Slaven
versprachen  die  Annahme  des  Christenthums  —  damit  war,  wie  es
schien,  der  Bedeutung  des  Zuges  als  eines  Kreuzzuges  genug  gethan,
—  und  gaben  die  zahlreich  in  Gefangenschaft  gerathenen  Dänen
ohne  Lösegeld  heraus;  auch  mußten  sie  wohl  versprechen,  sich  künftighin
  der  räuberischen  Einfälle  in  Dänemark  zu  enthalten.)

eatis  induciis  alleviare.  Vgl.  Vincont.
Trag.  p.  663:  Sed  quia  Sarones  potius
  pro  aulerenda  eis  terra  quam  Drofide
  christiana  confirmanda  tantam  moverant
  militiam  ..  ...

elm.  I.  c.  Quoties  enim  in
congressu  vincebantur  Slavi,  retineba-1

  Sehr  bekeichnend'  beißt  es  bei
Helmold  I,  nt  autem
natellites  ducis  es  be  Pänlberd.  marchionis
  ad  invicem:  Nonne  terra,  quam
devastamus,  terra  nostra  est?  Quare
ergo  invenimur  hostes  nostrimet  et
dissipatores  vectigalium  notrorum:

  JNonne  iaetura  haec  redundet
  in  dominos  nostros!  Coeperunt
ergo  a  die  illa  in  exereitu  facere  tergiversationes
  et  obsidionem  multiplitur

  exercitus,  ne  fugitantes  insequerentur
  et  ne  eastro  potirentur.

3)  Helm.  I,  65:  Conventio  talis  facta
est,  ut  Slavi  büdem  ehristianem  recipe-