Heinrichs  Einmischung  in  den  dänischen  Thronstreit.  73

am  besten  an  der  Mündung  der  Trave  entgegen,)  wo  er  zugleich
das  immer  wichtiger  werdende  Lübeck  deckte.

In  der  nun  folgenden  Zeit  der  Ruhe  erstarkten  die  Gründunger
  des  Grafen  Adolf  an  Elbe  und  Trave,  nachdem  sie  so  schwere
Stürme  zu  bestehen  gehabt  hatten,  immer  mehr  und  die  früher  gelegten
  Keime  begannen  sich  jetzt  schneller  zu  entfalten.  Ueberhaupt
überwogen  jetzt  die  Geschäfte  des  Friedens.  Bald  nach  seiner  Rückkehr
  von  dem  siegreichen  Zug  gegen  die  Dithmarschen  feierte  Herzog
Heinrich,  nun  zwanzig  Jahre  alt,  seine  Vermählung  mit  der  edlen
und  schönen  Clementia,  des  kriegerischen  Herzogs  von  Zäringen
Tochter.))  Es  war  auch  diese  Vermählung  charakteristisch  für  die
Stellung,  welche  der  junge  Welfe  noch  immer  gegen  Conrad  III.
einnahm  und  welche  bald  darauf  in  neuem  Kampfe  gegen  ihn  ihre
deutlichste  Bethätigung  finden  sollte.  Das  alte  edle  Geschlecht  der
Zäringer  lag  mit  den  Hohenstaufen  um  das  Herzogthum  Burgund
in  einer  ähnlichen  Fehde  wie  die  Welfen  wegen  Baierns,  und  so
kam  es,  daß  beide  einander  als  gegenseitige  natürliche  Bundesgenossen
ansahen.  Die  Vermählung  mit  Conrads  Tochter  war  nur  eine
neue  Befestigung  dieses  seit  längerer  Zeit  bestehenden  Verhältnisses.

Die  mit  der  Wiederunterwerfung  der  Dithmarschen  und  schon
vorher  mit  dem  so  wenig  erfolgreichen  Kreuzzuge  begonnene  Erweiterung
  seines  Gebiets  nach  Osten  hin  hat  Heinrich  seitdem  keinen
Augenblick  wieder  aus  dem  Auge  verloren.  Wenn  er  auch  nicht
immer  große  Unternehmungen  ausdrücklich  zu  diesem  Zwecke  ausrüstete,
  so  ging  doch  das  Vordringen  gegen  die  Slaven  in  kleineren
Kämpfen  um  so  sicherer  vor  sich.  Freilich  machte  man  dem  jungen
Herzoge  schon  danfals  den  Vorwurf,  daß  er  seine  Kräfte  gegen  die
Slaven  wende,  nicht  um  sie  zur  Annahme  des  Christenthums  zu
nöthigen,  sondern  um  Geißeln  und  Gelder  von  ihnen  zu  gewinnen,
daß  er  nur  sich  bereichern,  nicht  aber  dem  Christenthum  neue  Gebiete
  erschließen  wollte.)  Dennoch  war  der  Vortheil,  den  auch  die

1)  ib.  Habuitque  de  cetero  praeci-  versa  terra  Slavorum,  sucerescens  senpuam
  terrae  swae  diligentiam.  Qucties  sim  et  invalescene.
enim  motionis  aliquid  insonuit,  aut  3)  ibid.  In  varlis  autem  eppedide
  Danie  aut  de  Slavis,  statim  collo-  tionibus,  quas  adhue  adolescens  in
CKavit  exereitum  in  locis  opportunis,  Slaviam  profeotus  exercuit,  nullade
videlicct  Travenemundae  sive  ad  Eg.  christianitate  fuit  mentio,
oram.  sed  tantum  de  pecunia.  Adhue

2)  Helm.  L  66:  In  diebus  illis  enim  immolabant  daemonis  et  non  Deo,
dux  noster  adolescens  Clementiam,  fl  et  agebant  piraticas  incursiones  in

liam  Conradi,  ducis  de  Zeringe,  duxrit  terram  Danorum.
Urorem,  coepitque  dominari  in  uni-