Die  letzten  Kämpfe  der  Welfen  gegen  Conrad  III.  81

Forderung  den  so  mühselig  beigelegten  Streit  zwischen  Welfen  und
Hohenstaufen  eigentlich  schon  offen  erneuert.  Denn  er  erklärte  damit,
daß  er  sich  durch  den  von  seiner  Mutter  eingegangenen  Frieden  und
durch  die  ihm  damals  abgeschmeichelte  Verzichtleistung  nicht  mehr
für  gebunden  erachten  könnte,  sondern  wenn  ihm  der  König  nicht
gutwillig  Genüge  leistete,  sich  mit  gewaffneter  Hand  sein  Recht  zu
erzwingen  wissen  werde.  Die  Zeit  des  Kreuzzuges  hatte  Heinrich
nicht  benutzen  können;  jetzt  aber  war  Conrad  III.  zurückgekehrt  und
da  er  keine  Anstalt  machte,  dem  Welfen  gutwillig  sein  Recht  zu
Theil  werden  zu  lassen,  so  beschloß  Heinrich  zu  den  Waffen  zu  greifen
  und  Baiern  wiederzuerobern.

Mit  ihm  gemeinsam  sann  auch  sein  kriegerischer  Oheim  Welf  VI.
auf  neue  Empörung.  Welf  war  mit  Conrad  III.  nach  dem  heiligen
Lande  aufgebrochen,  so  daß  der  König  gegen  die  ehrgeizigen  Pläne
vesselben  gesichert  zu  sein  glaubte:  ja,  Conrad  wollte  alles  Frühere
vergessen,  er  ließ  es  sich  recht  angelegen  sein,  Welf  an  sich  zu  fesseln.
  In  herzlich  soldatischer  Weise  liebte  er  es,  ihn  als  „Camerad“
anzureden,  und  suchte,  wo  es  irgend  möglich  war,  ihm  behülflich
und  förderlich  zu  sein.)  Aber  dennoch  vergaß  Welf  VI.  seine  Feindschaft
  gegen  die  Hohenstaufen  keinen  Augenblick:  er  wartete,  wie  es
scheint,  nur  die  erste  Gelegenheit  ab,  um  seine  alten,  nun  schon
mehrmals  gescheiterten  Pläne  wieder  aufzunehmen.  Eine  solche  ließ
denn  auch  nicht  lange  auf  sich  warten.  Schwere  Unglücksfälle  trafen
  rasch  hinter  einander  das  Heer  der  Kreuzfahrer:  die  Hoffnungslosigkeit
  der  ganzen  Unternehmung  lag  gleich  nach  den  ersten  klar
zu  Tage.  Welf  verlor  alle  Lust  an  dem  Unternehmen;  dazu  kam
wohl  der  Gedanke,  daß  je  ungünstiger  die  Angelegenheiten  Conrads
im  Orient  stünden,  je  länger  er  vort  zu  kämpfen  genöthigt  sein
würde,  um  so  mehr  seine  eigenen  Hoffnungen  in  Deutschland  Aussicht
  auf  Verwirklichung  gewännen.  Auch  wurde  er  von  Krankheit
befallen  und  verließ  daher  Syrien,  gerade  als  Conrad  sich  anschickte,
den  Kampf  gegen  Damascus  zu  beginnen.  Wie  die  Dinge  damals
lagen,  kam  in  Welf  der  Plan  zur  Reife,  die  mißliche  Lage  des  Königs
  zu  einer  neuen  Unternehmung  zu  Gunsten  der  Welfen  zu
benutzen.  Sofort  that  er  in  dieser  Richtung  ganz  entschiedene

1)  Anonym.  Weingart.  l.  c.  I  epissime  in  necessitate  subveniebat,
hoc  —  laborioso  itinere  Counradus  rer  aec  de  omnibus,  que  a  regio  flöco  concommilitoni
  euo  Guelfoni,  sic  stantinopolitani  regis  sibi  offerebantur,
enim  eum  nominare  solebat,  partem  illi  tradebat.

Prug,  Heinrich  der  Loͤwe.  6