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90  1.  Buch.  6.  Kapitel.

Vor  Heinrichs  Abreise  zur  Erneuerung  des  Kampfes  in  Baiern
fand  auch  der  Zwiespalt  mit  dem  Bischof  Vicelin  seine  Ausgleichung.
  Vicelin  hatte  den  Rath  des  Bremer  Etzbischofs  befolgt,  obgleich
  derselbe  nur  die  übertriebenen  Machtansprüche  der  Kirche,  nicht
aber  die  Lage  eines  inmitten  der  Slaven  befindlichen,  ganz  auf  den
Beistand  und  Schutz  der  weltlichen  Großen  angewiesenen  Bisthums
berücksichtigte,  und  geduldig  hatte  er  alle  Leiden  und  Entbehrungen
getragen,  die  ihm  daraus  erwuchsen.  Als  er  aber  anfing  wahrzunehmen,
  daß  nicht  bloß  er  selbst  und  seine  Geistlichen,  sondern  vielmehr
  noch  das  Missionswerk,  dem  er  sich  geweiht,  darunter  zu  leiden
hatte,  da  stand  er  keinen  Augenblick  an,  seine  hierarchischen  Ansprüche
gegenüber  seiner  ihm  weit  höher  stehenden  Lebensaufgabe  fallen  zu
lassen.  Vicelin  begab  sich  nach  Lüneburg  zum  Herzog  und  erklärte
sich  bereit,  die  Investitur  von  seiner  Hand  anzunehmen.  Heinrich
ertheilte  sie  ihm  durch  Uebergabe  des  Stabes  und  stand  nun,  nachdem
  er  seinen  Willen  durchgesetzt  hatte,  auch  keinen  Augenblick  an,
dem  Bischof  seine  Unterstützung  in  jeder  Hinsicht  zuzusichern.  Er
half  nun  auch  dem  oft  wirklich  drückenden  Mangel,  den  Viecelin
hatte  ertragen  müssen,  ab,  indem  er  ihn  mit  dem  Dorfe  Bosau  am
Plöner  See  und  dem  dazu  gehörigen  Dulzaniza  beschenkte:  dort  sollte
er  sich  einen  sichern  und  bequemen  Wohnsitz  bereiten..)  Graf  Adolf
von  Schauenburg,  der  sich  nun  auch  wieder  mit  dem  Bischofe  aussöhnte,
  stimmte  dieser  Schenkung  des  Herzogs  bei  und  stattete  den
Vicelin  noch  mit  der  Hälfte  des  eigentlich  ihm  zufallenden  Zehnten
aus.5

Nach  dieser  endlichen  glücklichen  Ordnung  seiner  Angelegenheiten
  begab  sich  Vicelin  frohen  Muthes  nach  Bosau  und  machte  sich
sofort  daran,  den  neuen  Wohnsitz  für  sich  und  die  Seinen  herzurichten.
  Bis  die  Hütten,  welche  ihnen  zur  Wohnung  dienen  sollten,
fertig  wurden,  blieb  dem  Bischof  nichts  übrig,  als  unter  dem  schützenbetistis,

  cum  sun  pertinentia  Dulzaniza,
  ut  aediflcetis  vobis  domum  in
medio  terrao  nostrac  et  Praestolare
bossitis  reditum  nostrum.  Tunc  enim

bantur  eum  principes  Slavorum,  mazime
vero  reges  Danorum,  qui  laborantes
intestino  bello  certabant  eum  praevenire
  muneribus.

1)  Helm.  1.  c.  Venit  ergo  ad  eum
dominus  noster  episcopus  Vicelinus
Luneburgi  rogans,  ut  semper  solebet,
pro  episcopatus  sui  promotione  —  —
—  et  suscepit  episcopatum  per  virgam
de  manu  ducis.  Animaequior  autem
faotus  dux  ait:  —  —  —  damus  interim
  vobis  villam  Buzoen,  quem

Dropitio  Deo  disponendis  robus  vestris
Propensius  instabimus.

2)  ibid.  Cu  respondit  oomes:  —
bossessionem  ergo,  quam  dominus  dux
Permisit  episcopo,  et  egu  permitto
Insuper  cedo  de  medietate  decimarum,
ut  cedant  in  usus  episcopi-