Die  letzten  Kämpfe  der  Welfen  gegen  Conrad  III.  93

Heinrich  aber  hatte  von  dem  Unternehmen  seiner  Feiude  Kunde
erhalten,  und  die  ganze  Gefahr,  in  der  er  sich  befand,  richtig  erkennend,
  entschloß  er  sich,  zuerst  Sachsen  zu  schützen.  Schon  aber
war  ihm  der  Rückweg  durch  Schwaben  verlegt:  da  nahm  er  seine
Zuflucht  zu  einer  List.  Es  war  schon  spät  im  Jahre,  das  Weihnachtsfest
  war  vor  der  Thür.  Weit  und  breit  ließ  daher  Heinrich
verkünden,  daß  er  seine  Freunde  und  Ministerialen  zu  sich  entbiete,
um  mit  ihnen  gemeinsam  die  Tage  des  Festes  zu  feiern.  Recht  geflissentlich
  ließ  er  das  Gerücht  von  dem  bevorstehenden  glänzenden
Feste  unter  dem  Volke  verbreiten.  Während  nun  Conrad  und  die
sächsischen  Fürsten,  durch  diese  Rede  getäuscht,  Heinrich  in  völliger
Unwissenheit  über  ihr  Unternehmen  wähnten  und  Braunschweig  ohne
jeden  ernstlichen  Widerstand  durch  Ueberraschung  in  ihre  Hände  zu
bringen  hofften,  machte  sich  Heinrich  von  nur  drei  ganz  zuverlässigen
seiner  Leute  begleitet  in  aller  Stille  und  dem  tiefsten  Geheimniß  auf.
Verkleidet  und  auf  Umwegen  durch  Schnee  und  Eis  gelang  es  ihm,
die  Wachen  Conrads  glücklich  zu  täuschen  und  aus  Schwaben  zu
entkommen.  Dann  warf  er  sich  aufs  Pferd  und  nach  einem  fünftägigen
  Ritt  kam  er  ganz  unerwartet  zum  großen  Erstaunen  und  zur
lebhaftesten  Freude  der  Seinen  glücklich  in  Braunschweig  an.)

Conrad  und  die  mit  ihm  verbündeten  Fürsten  hatten  von  der
Anwesenheit  Heinrichs  in  Sachsen  noch  keine  Ahnung:  sie  glaubten
ihn  noch  in  Schwaben  und  durch  ihre  Wachen  von  seinem  Herzogthum
  gänzlich  abgeschnitten.  Noch  glaubten  sic,  von  vornherein  gewonnenes
  Spiel  zu  haben  und  sich  Braunschweigs  ohne  ernstlichen
Kampf  bemächtigen  zu  können.  Sie  waren  bis  Heiningen,  nicht  weit
von  Braunschweig,  gekommen:  da  wurden  sie  durch  die  ganz  unerwartete
  Kunde  überrascht,  daß  Herzog  Heinrich  in  Braunschweig
weilte  und  bereit  sei,  sie  mit  den  Waffen  zu  empfangen.)

Das  war  eine  Botschaft,  auf  die  keiner  gefaßt  gewesen  war.
Bei  vdieser  Gelegenheit  zeigte  es  sich  recht  klar,  wie  unsicher  und
schwankend  im  Ganzen  Conrads  Handlungsweise  war,  zugleich  aber,
wie  gewaltige  Achtung  schon  damals  die  Persönlichkeit  Herzog  Hein-1)

  Helm.  I.  c.  assumptisque  tribus
fidissimis  viris  vespere  quodam  mutavit
  vestem  et  clapsus  de  castro  nocturresumpsere

  fduciem.
2)  i  b.  Caestra  vero  regis  approrimabant
  Brunswich,  constituta  in  loco,

num  aggressus  est  -iter  et  transiens
medias  hostium  insidios  quinto  demum
die  apparuit  Brunswich,  et  amiei
eius  antea  maecrore  affecti  insperatam

qui  dicitur  Heninge.  Venit  ergo
nuncius,  qui  diceret  regi,  comparuisse
ducem  in  Brunswich.