1152.

94  1.  Buch.  6.  Kapitel.

richs  genoß.  Mit  seinen  Leuten  hätte  man  wohl  einen  Kampf  gewagt,
  aber  nun,  da  er  persönlich  in  Braunschweig  anwesend  war,
man  also  gegen  ihn  selbst  kämpfen  mußte,  da  machte  man  plötzlich
Halt.  Conrad  und  die  mit  ihm  ziehenden  Fürsten  sahen  auf  die
bloße  Nachricht  von  Heinrichs  Erscheinen  in  Braunschweig  ihren
ganzen  Plan  als  völlig  gescheitert  an.  Man  stand  von  dem  ferneren
  Vorrücken  und  dem  beabsichtigten  Angriff  auf  die  Welfenstadt
ab  und  kehrte  sofort  wieder  um:  fast  scheint  Conrad  es  bereut  zu
haben,  sich  so  tief  in  seines  Feindes  Land  gewagt  zu  haben.  Sein
Rückzug  war  ein  sehr  schleuniger:  er  ging  nach  Goslar  zurück,)  verließ
  aber  auch  ganz  Sachsen  sehr  bald.  Schon  am  7.  Januar  1152
ist  er  weit  weg  von  dem  Schauplatz  seiner  letzten  Thätigkeit,  in
Constanz.)

So  endete  dieser  Kampf,  der  ihn  scheinbar  in  die  größte  Gefahr
  brachte,  für  Heinrich  zwar  ohne  eigentlichen  Erfolg,  aber  doch
auch  ohne  jeden  Verlust.  Ja,  der  ganze  Verlauf  desselben  konnte
dem  Ansehn  Conrads  eben  so  bedeutenden  Abbruch  thun,  wie  er  das
des  Sachsenherzogs  hob  und  vermehrte.  Der  Kampf  hörte  auf,  weil
die  Lage  ver  Dinge  beiden  Parteien  nicht  ganz  günstig  war,  namentlich
  Conrads  Stellung  gerade  in  dieser  Zeit  immer  übler  wurde;
ein  wirklicher  Friede  aber  wurde,  wie  es  scheint,  nicht  geschlossen:

die  Sache  blieb  noch  immer  unentschieden,  der  Zwiespalt  unausgeglichen,

  so  daß  jeden  Augenblick  ein  neuer  Kampf  beginnen  konnte.
Gewiß  würde  Herzog  Heinrich  die  erste  günstige  Gelegenheit,  die  sich
ihm  zur  Wiederaufnahme  und  erfolgreicheren  Durchführung  seiner
Pläne  geboten  haben  würde,  mit  Freuden  ergriffen  haben.  Unter
der  Regierung  Conrads  aber  erschien  ein  solcher  Zeitpunkt  nicht  mehr
und  so  kam  es,  daß  Heinrichs  Pläne  längere  Zeit  ruhen  mußten.
Erst  unter  dem  hochherzigen,  von  dem  Wunsche  nach  Frieden  im
Innern  und  stolzer  Machtentfaltung  nach  außen  beseelten  Nachfolger
Conrads  sollte  diese  zum  Verderben  des  Reichs  so  lange  schwebende
Streitfrage  zum  Austrage  gebracht  werden,  und  zwar  nicht  durch
Kampf  und  Krieg,  sondern  auf  dem  Wege  der  Güte  und  friedlichen
Unterhandlung.

Während  sich  Herzog  Heinrich  vergeblich  um  die  Wiedergewinnung
  Baierns  bemühte,  waren  auch  in  Sachsen  selbst,  nämlich  in
den  slavischen  Landen,  Kämpfe  vor  sich  gegangen,  die  seiner  Macht

1)  ib.  Quo  certius  recognito  dissi  lariam.  .
mulabat  progredi  et  reversus  est  Gos-  2)  Böhmer  Reg.  u.  2297.