Die  letzten  Kämpfe  der  Welfen  gegen  Conrad  III.  95

und  seinem  Ansehn  sehr  förderlich  waren.  Der  Slavenfürst  Niclot,
der,  seitdem  er  zur  Abwehr  des  Kreuzheeres  Lübeck  zerstört  und  das
umliegende  Land  verwüstet  hatte,  mit  Heinrich  und  dem  Grafen
Avolf  von  Schauenburg  ein  engeres  Bündniß  eingegangen  war  und
sich  als  einen  guten  Verbündeten  erwiesen  hatte,  wurde  durch  eine
Empörung  der  ihm  zinspflichtigen  Kyzinen  und  Circipanen  bedrängt:
sie  verweigerten  die  bisher  erlegten  Abgaben,  und  Niclots  Macht
reichte  nicht  aus,  sie  unter  seine  Gewalt  zurückzubringen.  Niclot
wandte  sich  daher  um  Hülfe  nach  Sachsen:  er  erschien  in  Lüneburg
am  Hofe  der  Herzogin  Clementia  und  bat  bei.  ihr  und  dem  Grafen
Adolf  von  Schauenburg  um  Unterstützung  gegen  die  Aufrührer.)
Sein  Wunsch  wurde  erfüllt,  Graf  Avolf  selbst  zog  ihm  mit  Heeresmacht
  zu  Hülfe.  Mit  Feuer  und  Schwert  wurde  das  Land  der
Abgefallenen  verwüstet,  ein  in  hohem  Ansehn  stehendes  Heiligthum
dem  Boden  gleichgemacht  und  so  ihr  Aufruhr  in  kurzer  Zeit  unterdrückt.
  Nicht  nur  die  hohen  Abgaben,  deren  Zahlung  sie  verweigert
hatten,  mußten  sie  jetzt  erlegen,  sondern  man  nöthigte  sie  auch  noch
zur  Zahlung  einer  hohen  Buße.')  Dann  kehrten  die  Sieger  heim.
Niclot  erwies  dem  Grafen  Avolf,  dem  er  diese  leichte  und  vollständige
  Niederwerfung  des  Aufstandes  zumeist  verdankte,  die  größte  Ehrerbietung:
  er  geleitete  ihn  bis  an  die  Grenzen  seines  Gebietes  und
sorgte  auf  das  Eifrigste  für  die  Bequemlichkeit  seiner  siegreichen
Krieger.)  Durch  diesen  gemeinsamen  Kampf  gegen  einen  Feind,  der
sie  beide  gleichmäßig  bedrohte,  wurde  übrigens  das  freundliche  Verhältniß
  des  Grafen  zu  seinem  Grenznachbar  nur  mehr  und  mehr
befestigt.  Ihren  meist  zusammenfallenden  Vortheil  zu  berathen,  kamen
  sie  daher  oft  in  Lübeck  oder  Travemünde  zusammen.")  Lübeck

1)  Helm.  I,  71.  In  diebus  autem.
quibus  dux  aberat,  venit  Niclotus,
Princeps  terrac  Obotritorum,  ad  dominam
  Clementiam  ductricem  Lunenburg
et  conquestus  est  in  facie  eius  et
amicorum  ducis,  quia  Kycini  et  Cirei-Pani
  paullatim  rebellare  coeperint  et
obniti  tributis  iuxta  morem  persolvendis.


2)  ibid.  Et  destinatus  est  comes
Adolfus  et  populus  Holsatorum  et
Sturmariorum,  ut  adinvarent  Niclotum
et  coerceremt  rebellionem  contumscium.
Abüitque  comes  cum  duchus  millibus
et  amplius  electorum.  Niclotus  quodue
  contraxit  exercitum  de  Obotritis
et  abierunt  pariter  in  terram  Kyeinorum

  et  Cireipanorm  et  perragati
sunt  torram  hostilem,  omnin  vastantes
igne  et  gladio.  Fanum  quodque  celeberrimum
  cum  idolis  et  omni  superstitione
  demoliti  sunt.  Videntes
autem  indigenac,  quia  non  essent  eis
vires  resistendi,  redemerunt  se  immensa
Pecunia  defectumque  vectigalinm  integraverunt
  cum  cumulo.

3)  ibid.  Tunc  Niclotus  delectatus
victoria  gratius  comiti  retulit  amplissimas
  rovertentemquc  proseccutus  ost
ad  extremitatem  flnium  suorum  cautissimam
  erereitui  adhibens  diligentiam.

4  ibid.  Ab  eo  die  firmatae  sunt
amieitae  inter  comitem  et  Niclotum