Die  letzten  Kämpfe  der  Welfen  gegen  Conrad  III.  97

keine  Söhne  hinterließ,  so  mußte  sein  Erbe  an  die  nächsten  männlichen
  Verwandten  fallen:  als  solche  erhoben  nun  Heinrich  von
Sachsen  und  Albrecht  der  Bär  Ansprüche  und  setzten,  durch  diesen
neuen  Streitpunkt  noch  mehr  gereizt,  ihre  alte  Fehde  fort.  Obgleich
aber  Heinrich  eine  bedeutend  größere  Macht  ins  Feld  stellen  konnte,
—  5000  Mann  —  denen  Albrecht  nur  1500  entgegenführen  konnte,
so  kam  es  voch  nicht  zu  einer  eigentlichen  Entscheidung,)  sondern
mit  wechselndem  Glücke  wurde  der  Kampf  durch  gegenseitige  Verwüstungen
  und  Plünderungszüge  geführt.

Conrad  III.  vermochte  all  diesem  Unwesen  nicht  mehr  Einhalt
zu  thun:  und  um  dieselbe  Zeit,  wo  er  die  Angelegenheiten  seines
eigenen  Reichs  nicht  mehr  zu  leiten  vermochte  und  sie  schließlich  ganz
sich  selbst  überließ,  um  dieselbe  Zeit  erging  vom  Norden  her  an  ihn
der  Ruf  und  die  Bitte,  ein  anderes  Reich  in  Ruhe  und  Frieden  zu
bringen.  Dänemark  nämlich  wurde  noch  immer  von  blutigen  Thronstreitigkeiten
  zerrissen,  die  beste  Kraft  des  Landes  verzehrte  sich  selbst,
so  daß  es  seinen  äußeren  Feinden,  namentlich  den  kühnen  Seeräuberflotten
  der  slavischen  Stämme  widerstandlos  preisgegeben  war.
Nach  seiner  gänzlichen  Besiegung  durch  Svend  hatte  Knud  vergeblich
versucht,  sich  mit  Hülfe  der  Nachbarvölker  der  Krone  von  Neuem  zu
bemächtigen:  nachdem  nun  auch  sein  letzter  Einfall,  den  er  an  der
Spitze  der  tapfern  Friesen  gemacht  hatte,  zurückgeschlagen  war,  sah
er  wohl  ein,  daß  er  auf  diesem  Wege  sein  Ziel  niemals  erreichen
würde.  Er  wandte  sich  deshalb  an  Conrad  III.  mit  der  Bitte,  den
Streit  zu  entscheiden  und  ihm  zu  seinem  Rechte  zu  verhelfen,  nöthigenfalls
  selbst  das  Schwert  zu  seinen  Gunsten  zu  ergreifen:  zum
Dank  dafür  versprach  Kund,  in  allen  Stücken  den  Willen  des  deutschen
  Königs  zu  befolgen,  sich  also  seiner  Oberhoheit  zu  beugen.)
Eine  nachdrückliche  Förderung  erwartete  Knud  wohl  von  dem  gerade
damals  so  mächtig  und  gefürchtet  dastehenden  Herzog  Heinrich,  der
sich  seiner  ja  schon  früher  angenommen  hatte  und  es  auch  jetzt  ge-1)

  Ann.  Stederburg.  a.  1151
(p.  207):  Werra  inter  ducem-Heinricum
  et  marchionem  Adelbertum,  ita
ut  ad  pugnam  dux  cireiter  quinque
milia  fortissimorum  militum,  marchio
mille  quingentos  contraxerit.

2)  Knud  schreibt  an  Conrad  Ep.
Wibaldi  nu.  338:  Privati  igitur  non
sclum  regno  verum  eciam  patrimonio,
Christo  et  vobis  conquerimur,  ut  iusti-Prug,

  Heimich  der  Löwe.

eia  dictante  nobis  exulibus  condescendatis
  ct  compatiamini.  Ad  imperium
cnim  Romenum  expulsi  confugimus,
quia  ibi  et  consilium  et  auxiliom
invenire  sperarimus.  Vestram  itaque
regiam  potestatem  suppliciter  oxoramus,
  quod  nobis  subveniatis  et
Dro  vestro  honore  nobiscum  paterne
agatis,  ut,  qune  iniuste  amisimus,  gladii
vestri  severitate  rehabeamus.