Die  Vereinigung  der  Welfen  und  Hohenstaufen.  99

des  Reichs  entscheidender  Alt  und  daher  immer  ein  Gegenstand  der
bangen  Erwartung  und  des  schwankenden  Zweifels  war:  gerade
wie  die  Dinge  damals  lagen,  mußten  aller  Augen  mit  doppelter
Spannung  und  doppelt  heißen  Wünschen  für  den  glücklichen  Ausgang
  der  Wahlhandlung  auf  die  deutschen  Fürsten  gerichtet  sein,
welche  sich  jetzt  zu  Frankfurt  am  Main  versammelten.  Nur  siebzehn
  Tage  waren  seit  Conrads  III.  Ableben  verflossen,  und  schon
am  5.  März  waren  die  Fürsten  zur  Erhebung  eines  neuen  Ober-,  1#.
hauptes  beisammen.  Schon  diese  Eile  beweist,  wie  sehr  sie  sich  der
Noth  des  Reichs  bewußt  waren  und  wohl  einsahen,  daß  es  der  einmüthigen
  Wahl  eines  Mannes  bevurfte,  der  im  Stande  wäre,  dem.
begonnenen  Verfall  Einhalt  zu  gebieten  und  das,  was  das  Reich
bereits  verloren  hatte,  mit  starker  Hand  wieder  zu  nehmen,  der  die
Ehre  des  deutschen  Namens  nach  innen  wie  nach  außen  fest  zu  wahren
  vermöchte.

Daß  Conrad  III.  diese  ihm  obliegende  Aufgabe  nicht  zu  lösen
vermocht  hatte,  daß  er  alle  seine  Pläne  und  Hoffnungen  für  die  Hebung
  und  Sicherung  des  Reiches  hatte  scheitern  sehen,  war  nicht  seinem
  mangelnden  Willen,  auch  wohl  nicht  einer  ungenügenden  Begabung
  zu  dem  großen  Herrscheramte  zuzuschreiben:  die  Macht  der
Umstände  hatte  ihn  bewältigt,  vor  allen  Dingen  der  eine  Fehler,
daß  der  Grund,  auf  dem  sein  ganzes  Wirken  fußen,  der  das  Fundament
  abgeben  sollte  und  mußte  für  den  Aufbau  der  Macht  und
Herrlichkeit  des  Reiches,  nicht  feststand,  sondern  mitten  durch  gespalten,
  den  Bau  nicht  zu  tragen  vermochte.  Der  Kampf  der  Hohenstaufen,
  denen  er  selbst  entsprossen,  gegen  die  Welfen,  die  Erben  der
Macht  und  damit  der  Ansprüche  Lothars,  gegen  den  er  selbst  ja  einst
das  Schwert  ergriffen  hatte,  —  das  war  der  Grundschade,  an  dem
das  Reich  unheilbar  krankte,  der  auch  der  Regierung  Conrads  jeden
Segen  genommen  hatte.  Nach  dem  Gegensatz  zwischen  Welfen  und
Hohenstaufen  gingen  sämmtliche  deutsche  Fürsten  in  zwei  große  Parteien
  aus  einander.  Daß  der  unselige  Kampf  durch  den  Tod  der
beiden  Gegner,  Conrads  und  Heinrichs  des  Stolzen,  nicht  beendet
wäre,  hatte  sich  bereits  gezeigt:  für  den  letzteren  stand  schon  sein
Sohn  mit  denselben  Ansprüchen  und  hartnäckigem  Muthe  auf  dem
Platze.  Nur  einen  Weg  gab  es  jetzt  —  das  sahen  die  Fürsten  sehr
wohl  —  dem  unseligen  Zwiste  im  Innern  des  Reiches  ein  Ziel  zu
setzen:  es  mußte  ein  Mann  gewählt  werden,  der  den  streitenden
Häusern  gleichmäßig  angehörte,  durch  dessen  Erhebung  beide  in  glei-77

