106  1.  Buch.  7.  Kapitel.

1182.  Denn  eine  schnelle  Ordnung  dieser  Angelegenheit  mußte  Friedrich
  gerade  jetzt  besonders  am  Herzen  liegen"),  wo  er  bald  die  ganzen
  Kräfte  des  Reichs  nach  Süden,  gegen  Italien,  zu  richten  gensthigt
  war,  also  im  Innern  Frieden  gestiftet,  namentlich  aber  den  zu
jeder  erfolgreichen  Unternehmung  gegen  das  Ausland  unentbehrlichen
Heinrich  von  Sachsen  ganz  an  sich  gefesselt  haben  mußte.  Daß  dieses
ihm  aber  nur  durch  die  Rückgabe  Baierns  gelingen  würde,  wußte
er  nur  zu  wohl.

Denn  daß  die  erste  große  Unternehmung  des  neuen  Herrschers
nach  Italien  gerichtet  sein  würde,  war  inzwischen  entschieden.  Auf
demselben  Reichstage  zu  Würzburg,  wo  die  baierische  Angelegenheit
verhandelt  werden  sollte,  waren  Gesandte  aus  Apulien  erschienen
mit  schweren  Klagen  über  das  eigenmächtige  und  gewaltthätige
Schalten  des  Normannen  Roger.  Diesen  Uebergriffen  Einhalt  zu
thun,  die  Kaiserkrone,  die  seinem  Vorgänger  nicht  zu  Theil  geworden
war,  auf  sein  Haupt  zu  setzen,  überhaupt  die  heillos  verwirrten  Angelegenheiten
  Italiens  zu  ordnen,  war  das  nächste  Ziel,  das  sich
Friedrich  I.  steckte..  Da  er  aber  noch  nicht  mit  Bestimmtheit  voraussehen
  konnte,  bis  wann  die  Lage  Deutschlands  so  weit  geordnet
sein  würde,  daß  er  das  Reich  auf  längere  Zeit  verlassen  könnte,  so
beschloß  er  für  den  Augenblick  nur  so  viel,  daß  binnen  spätestens
zwei  Jahren  vie  Romfahrt  angetreten  sein  müßte.)

Durch  die  Art,  wie  sich  gleich  während  dieser  ersten  Monate
der  Regierung  des  neuen  Herrschers  seine  Beziehungen  zu  demselben
gestaltet  hatten,  durch  das  enge  Band,  das  ihn  gleich  von  vornherein
mit  ihm  vereinigte,  konnte  Herzog  Heinrich  über  den  ferneren  Verlauf
  seiner  Angelegenheit  ganz  beruhigt  sein  und  sich  überzeugt  halten,
  daß  er  bald  die  ganze  große  Macht,  wie  sie  einst  sein  Vater
besessen  hatte,  in  seiner  Hand  vereinigen  würde.  Mit  stolzen  Hoffnungen
  für  die  Zukunft  trennte  er  sich  daher  nach  Beendigung  des
Würzburger  Tages  von  Friedrich  und  begab  sich  nach  Sachsen
zurück  ),  um  den  dortigen  Angelegenheiten  seine  Aufmerksamkeit  zuzu-1)

  Otto,  Fris.  I.  c.  Erat  vrero  de  solo  natali  propulerat,  leecrymabi

multa  serenissimi  prineipis
an  zietas,  cum  omnia  prospere  in
regno  agerentur,  qualiter  controversis,
dune  inter  eins  carnem  et  sanguinem
—  —  agitabatur,  sine  sanguinis  effusione
  terminari  posset.

2)  Otto  Fris.  II,  7:  In  eadem
curin  exulibus  Apuliae,  quos  Rogerius

liter  conquerentibus  et  ad  pedes  prineipis
  miserabiliter  se  proicientibus,
expeditio  Iialice  tam  pro  affliotione
horum,  quam  pro  corona  imperii  aceipienda
  Taullo  minus  quam  ad  duos
annos  iurnta  est.

3)  Vgl.  Reg.  27.