Die  Vereinigung  der  Welfen  und  Hohenstaufen.  107
wenden.  Mit  dem  Steigen  seiner  Macht  und  seines  Ansehens  bei
Kaiser  und  Reich  stieg  aber  Heinrichs  Selbstgefühl  und  die  Rücksichtslosigkeit,
  mit  der  er,  wo  sein  Interesse  mit  dem  eines  anderen
in  Conflikt  gerieth,  seinem  Willen  Geltung  zu  erzwingen  wußte.  In
solchen  Fällen  waren  selbst  die  ihm  zunächststehenden  nicht  sicher  vor
energischen  Feindseligkeiten.  Schon  in  dieser  Zeit  gab  er  davon
einen  schlagenden  Beweis.

Graf  Adolf  von  Schauenburg,  der  selbst  unter  den  fortwährenden
  inneren  Kämpfen,  welche  Sachsen  so  lange  bewegten,  nicht  abgelassen
  hatte  von  seinem  friedlichen  Bemühen  für  die  Colonisation
des  Landes  und  die  Förderung  seines  auf  Handel.  und  Ackerbau  erblühenden
  Wohlstands,  hatte  namentlich  in  den  letzten  Friedensjahren
eifrig  in  diesem  Sinne  gewirkt.  In  der  Ueberzeugung  von  ver  Verdienstlichkeit
  dieser  Thätigkeit  und  der  Beistimmung  des  Herzogs
gewiß,  mochte  er  eigenmächtiger  geschaltet,  Anordnungen  und  Bestimmungen
  mancherlei  Art  getroffen  haben,  welche  dem  auf  seine
Macht  eifersüchtigen  und  jedes  seiner  Rechte  mit  Nachdruck  zur  Geltung
  bringenden  Herzog  weniger  genehm  sein  konnten.  Unter  diese
zunächst  nur  dem  Herzog  selbst  zustehenden  Rechte  gehörte  namentlich
die  Befugniß  zur  Anlegung  von  Märkten  und  Handelsplätzen.  Zwar
hatte  Heinrich  den  Grafen  bisher  ruhig  gewähren  lassenz  sobald
aber  dessen  Schöpfungen  seinen  eigenen  Vortheil  durchkreuzten  oder
auch  nur  zu  gefährden  schienen,  machte  er  sein  Recht  plötzlich  in  der
rücksichtslosesten  Weise  geltend.  So  war  dem  Herzoge  denn  nun
die  Kunde  gekommen,  daß  der  vom  Grafen  von  Schauenburg  angelegte
  Handelsplatz  zu  Lübeck  täglich  an  Umfang  und  Bedeutung
gewinne,  daß  er  namentlich  dem  Verkehr  des  dem  Herzog  zugehörigen
  Bardewiek,  welches  bisher  der  bedeutendste  Handelsplatz  Niedersachsens
  gewesen  war,  in  empfindlicher  Weise  Abbruch  thue.  Dazu
kam,  daß  des  Herzogs  Saline  zu  Lüneburg  durch  die  neuen  Salzwerke,
  welche  Graf  Adolf  in  Todesloe  angelegt  hatte,  wesentlich  beeinträchtigt
  wurde.)  Daß  es  sich  damit  wirklich  so  verhielt,  erfuhr
der  Herzog  am  Besten  aus  dem  Abnehmen  der  ihm  bisher  aus  beiden
Orten  reichlich  zuströmenden  Gefälle.  Diesen  Ausfall  aber  stillschwei-1)

  Helm.  I.  76:  Una  ergo  dierum
allocutus  est  dux  comitem  Adolfum

mercatores  omnes  eo  commigront.

Idem  conqueruntur  ii,  qui  sunt  Ludicens:

  Perlatum  est  ad  nos  iampridem,
  quod  civitas  nostra  Bardewich
magnam  deminutionem  civium  patiatur
  proptor  Lubecense  forum,  eo  qduod

neburg,  quod  suleis  nostra  devorasta
git  propter  suleiam,  quam  coepistis
babere  Todeslo.