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116  1.  Buch.  8.  Kapitel.

wie  Herzog  Heinrich  ins  Auge  fassen,  so  mag  die  Vermuthung  nicht
ungegründet  erscheinen,  daß  ein  Theil  der  früher  vom  Bischof  innegehabten
  Lehen  an  Heinrich  selbst  übertragen  worden  sein  mag.
Während  der  Zeit,  die  das  Heer  in  den  roncalischen  Gefilden
lagerte,  vereinigte  Friedrich  zu  einem  großen  Reichstage  um  sich  die
mit  ihm  gezogenen  deutschen  Fürsten,  die  italienischen  Großen,  namentlich
  aber  die  Abgesandten  der  italienischen  Städte.  Hier  wurde
es  ihm  erst  recht  klar,  was  für  eine  gewaltige  Arbeit  ihm  noch  bevorstand,
  um  in  dieses  von  der  Willkür  einiger  zu  ungeheurer  Macht
gelangter  Städte  mishandelte  Land  Ruhe  und  Ordnung  zu  bringen.
Am  schwersten  aber  und  zahlreichsten  waren  die  Klagen,  welche  von
allen  Seiten  gegen  das  gewaltige  Mailand  erhoben  wurden.  Gegen
dieses  Haupt  der  die  Herrschaft  der  Deutschen  bekämpfenden  Opposition
  beschloß  Friedrich  sich  zuerst  zu  wenden,  in  der  aufrührerischen
Stadt  selbst  ihren  Bürgern  Gesetze  vorzuschreiben.  Die  beiden  auf
dem  Reichstage  anwesenden  Consuln  von  Mailand,  Oberto  de  Orto
und  Gherardo  Nigro  behielt  er  gleich  bei  sich:  sie  selbst  sollten  das
Heer  nach  Mailand  führen,  auf  dem  Marsche  für  seine  Lagerung
und  Verpflegung  Sorge  tragen.  Die  Consuln  aber  —  cchte  Italiener
  —  führten  das  Heer  in  unwegsame,  vom  Regen  vurchweichte,
ungesunde  Gegenden,  wo  eine  geregelte  Verpflegung  unmöglich  wurde:
bald  trat  in  Folge  dessen  der  empfindlichste  Mangel  ein.  Der  allgemeine
  Zorn  gegen  die  treulosen  Mailänder  stieg  von  Tag  zu  Tage.
Schließlich  sah  der  König  sich  gensthigt,  die  eingeschlagene  Richtung
zu  verlassen  und  seinem  Heere  erst  in  den  fruchtbaren  und  gesunden
Ebenen  neben  der  Stadt  Rast  und  Erholung  zu  gönnen.)  Doch
war  nun  der  Entschluß  des  Königs,  Mailand  anzugreifen,  nur  noch
mehr  befestigt.  Aber  es  kam  zunächst  noch  nicht  zum  Kampfe  gegen
die  Stadt  selbst.  Vielmehr  wandte  sich  Friedrich  gegen  das  den
Mailändern  gehörige,  reich  mit  Vorräthen  aller  Art  angefüllte  Rosate
  und  bemächtigte  sich  seiner.'!)  Dann  zerstörte  er,  sich  gegen  den
Ticino  wendend,  die  beiden  von  den  Mailändern  gegen  Pavia  und
Novara  angelegten  hölzernen  Brücken  und  brach  dann  die  drei  das
Gebiet  von  Novara  beherrschenden  mailändischen  Burgen  Trecate,

1)  Otto  Fris.  II,  13:  Dumque  a  bus,  in  Melolanenses  arma  convertit.
Praenominatis  consulibus  per  arick,  ..  Rex  castra  de  aridis  locis  movens
ubi  nec  stipendia  inveniri,  nec  ex  aã  gerhie  ipsius  territorii  habitacule
mercatu  haberi  possent,  eircamduce-  non  lonfe  a  civitate  se  transferens
retur  loca,  indignatione  motus,  iussis  militem  lassatum  releeit.

Primo,  ut  ad  propria  redirent  consuli-  2)  Otto  Fris.  II,  14.