118  1.  Buch.  8.  Kapitel.

inS.  den  waffenkundigen  Bürgern,  sondern  auch  von  den  zur  Hülfe  herbeigeeilten
  mailänder  Kriegern  und  den  umwohnenden  Baronen  muthig
  vertheidigt  wurde,  mußte  durch  eine  regelmäßige  Belagerung
erst  erobert  werden.))  In  drei  Abtheilungen  umschloß  das  deutsche
Heer  den  Platz:  im  Westen  lagerte  Friedrich  selbst;  der  am  meisten
gefährdete  Posten,  die  eben  erst  genommene  Unterstadt,  war  der
Stützpunkt,  von  dem  aus  Herzog  Heinrich  von  Sachsen  seine  Angriffe
  gegen  die  Stadt  richtete,  während  in  der  nach  Osten  sich  ausdehnenden
  Ebene  die  Pavienser  Krieger  sich  lagerten.)  Obgleich  die
so  von  allen  Seiten  eingeschlossene  Stadt  auf  das  Heftigste  bedrängt,
ihre  Mauern  und  Häuser  von  den  zahllosen  Geschossen  der  Wurfmaschinen
  fast  überdeckt,  viele  der  Ihrigen  getödtet  und  verwundet
wurden,  so  erschlaffte  der  Muth  der  Bürger  doch  nicht,  sondern  in
rastloser  Thätigkeit  machten  sie  gegen  die  Belagerer  zahlreiche  Ausfälle
  und  brachten  ihnen  mehrfach  empfindliche  Verluste  bei.  Selbst
daß  Frierrich,  aufgebracht  durch  so  hartnäckigen  Wiverstand,  viele
der  Gefanpenen  angesichts  der  Belagerten  kreuzigen  ließ,  brach  ihren
Muth  nicht.  Allmählich  aber  wurde  ihre  Lage  doch  höchst  bedenklich.
Das  Trinkwasser  mußten  sie  sich  stets  aus  einem  im  Bereich  der
Pavienser  Aufstellung  liegenden  Brunnen  erkämpfen;  der  von  dort
durch  die  von  Herzog  Heinrich  besetzt  gehaltene  Unterstadt  fließende
Bach  war  durch  die  Trümmer  der  eingestürzten  Gebäude  verschüttet
und  wurde  dann  von  den  Belagerern  noch  durch  Hineinwerfen  von
Schwefel,  ja  von  Leichen  ganz  ungenießbar  gemacht.)  Dennoch  hielt
sich  Tortona  und  selbst  die  aufopfernde,  tollkühne  Tapferkeit  einzelner
  der  königlichen  Krieger  vermochte  nicht  den  Fall  der  Stadt  zu
beschlennigen.)  Schließlich  aber  fing  der  Durst  an  seine  verderblichen
  Wirkungen  zu  äußern.  Für  das  Osterfest  erbaten  die  Bürger
vom  König  einen  Waffenstillstand:  er  wurde  gewährt.  Gegen  Ende
desselben  erschien  in  feierlicher  Procession  die  Geistlichkeit  und  flehte
den  König  um  Schonung  an  für  die  hart  bedrängte  Stadt.  Da
die  Bürger  aber  noch  immer  anstanden,  sich  auf  Gnade  und  Un-1)

  Otto  Fris.  II,  16.

2)  ibid.  —  mons  ipse  —  eireumduadue
  obeidione  —  vallatur;  prineipe
ipso  ex  occidentali  parte,  Henrico
duce  Saxonine  in  uburdio,
quod  meridiem  versus  Apenninum  repicit,
  Papiensibus  in  campania,  quse
contra  Papiam  seu  Mediclanum  ad
Orientem  vel  Aquilonem  erxtenditur.

residentibus

3)  ibid.  Nam  amniculus,  qui  medium
  percurrebat  zuburbium  e1
ruina  turrium  caeterorumre  moenium,
a  Proprio  alveo  exeussus,  ne  in  ipsorum
  usum  otiam  feculentus  provenire
possct,  a  duce  Saxoniae  suisquo  aecriter
  servabatur.

4)  ib.  c.  17,  18.