1155.

13.  Jun.
18.  Jun.

120  I.  Buch.  8.  Kapitel.

Neuem  mit  ihm  über  den  Einlaß  und  die  Krönung  verhandeln.  Auf
den  Rath  des  Papstes  aber,  der  die  Hinterlist  und  Perfidie  seiner
Römer  nur  zu  wohl  kannte  —  hatte  er  sie  doch  schon  zur  Genüge
an  sich  selbst  erfahren  —,  beschloß  Friedrich  I.,  ihnen  mit  Gewalt
der  Waffen  zuvorzukommen  und  die  Kaiserkrone,  welche  sie  ihm  gar
nicht  oder  doch  nur  unter  sie  völlig  entwerthenden  Bedingungen
geben  wollten,  sich  mit  gewaltiger  Hand  selbst  zu  nehmen.  Die
leoninische  Vorstadt  und  mit  ihr  die  Peterskirche  war  augenblicklich
noch  nicht  in  der  Gewalt  der  aufrührerischen  Römer,  sondern  noch
von  den  Truppen  des  Papstes  besetzt.  Dem  Rathe  Hadrians  gemäß
wurden  tausend  der  besten  Krieger  aus  dem  deutschen  Heere  ausgewählt
  und,  geleitet  von  dem  dem  Papste  wie  Friedrich  gleich  nahe
stehenden  Cardinalpresbyter  Octavian,  drangen  sie  in  der  Nacht  vom
17.  auf  den  18.  Juni  1155  in  aller  Stille  in  die  Stadt  ein  und
besetzten  die  Peterskirche.)

In  der  Morgenfrühe  des  18.  Juni  verließ  dann  Friedrich,  geleitet
  von  den  Cardinälen  und  der  gesammten  Geistlichkeit,  das  Lager.
  Auch  das  ganze  Heer  brach  auf,  im  besten  Waffenschmucke  und
kampfbereit  in  Schlachtordnung  einherziehend:  es  besetzte  namentlich
die  Tiberbrücke,  um  jede  Störung  der  Krönung  durch  die  aufgeregte
und  überraschte  Menge  der  Römer  zu  hindern.  Friedrich  selbst
wurde  am  Aufgange  zur  Peterskirche  von  dem  Papste  empfangen,  in
die  Kirche  geführt  und  nach  Abhaltung  einer  feierlichen  Messe  unter
dem  weithinschallenden  Jubel  der  ihn  zahlreich  umgebenden  Tapfern
mit  der  Kaiserkrone  geschmückt.  Unter  dem  Jubel  der  Seinen  kehrte
der  Neugekrönte  in  das  Lager  zurück,  das  man  jetzt  unmittelbar
unter  den  Mauern  der  Stadt  aufgeschlagen  hatte.  Kaum  aber  war
er  dort  angelangt,  eben  waren  die  ermüdeten  Krieger  im  Begriff,  sich
zu  entwaffnen  und  der  ruhigen  Feier  des  glücklich  erreichten  Zieles
hinzugeben,  als  plötzlich  aus  der  Stadt,  die  sie  eben  verlassen  hatten,
  ein  wildes,  wirres  Geröse  herüberschallte.  Bald  wurde  es  klar,
daß  ein  Ueberfall  der  Römer  im  Anzuge  sei,  welche  außer  sich  waren
über  die  ohne  ihr  Zuthun  und  gegen  ihren  Willen  bereits  vollzogene
Krönung.  Als  die  Kunde  von  dem,  was  in  aller  Stille  in  der  Peterskirche
  vorgegangen  war,  in  die  Stadt  gedrungen,  hatte  sich  das
mit  seinen  Senatoren  auf  dem  Capitol  versammelte  Volk  in  Wuth
auf  die  Tiberbrücke  gestürzt  und  sich  derselben  bemächtigt.  Einige

1)  Otto  Fris.  II,  20  u.  21.