Friedrichs  1.  Römerzug.  127
die  Stadt  und  begab  sich  nach  Tivoli.  Gegen  Ende  des  Monats,
als  die  Hitze  immer  drückender  wurde  und  den  Gesundheitszustand
des  Heeres  zu  gefährden  begann,  zog  Friedrich  das  Thal  des  Nar
aufwärts  höher  in  die  kühlen  Berge  des  Apennin.  Dort  erschienen
die  Gesandten  der  italienischen  Städte,  um  den  schuldigen  Zins  zu
zahlen:  bloß  Spoleto  weigerte  sich  dieser  Leistung  und  lud  noch  dadurch,
daß  es  den  Grafen  Guido  gefangen  nahm  und  ihn  trotz  des  ausdrücklichen
  kaiserlichen  Gebots  nicht  frei  ließ,  den  Zorn  Friedrichs
in  erhöhtem  Maße  auf  sich.  Die  Stadt  für  die  Verletzung  seines
Gesandten  zu  züchtigen,  eilte  Friedrich  gegen  Spoleto.  Vor  seinen
Mauern  noch  stellten  sich  ihm  die  Bürger  in  Schlachtordnung  entgegen;
  doch  erlagen  sie  dem  muthvollen  Angriff  der  Deutschen  und
wurden  in  die  Flucht  geschlagen:  ihnen  auf  den  Fersen  folgend
drangen  die  Sieger  gleichzeitig  mit  den  Fliehenden  in  die  Stadt  ein
und  nahmen  von  ihr  Besitz.  Der  Plünderung  und  den  Flammen
preisgegeben  büßte  sie  ihre  Widersetzlichkeit  schwer.  Die  einstmals
blühende  Stadt  bot  einen  Anblick  der  gräßlichsten  Verwüstung:  die
Leichname  der  in  der  Schlacht  gefallenen,  die  halbverbrannten  der
in  der  Stadt  getödteten  oder  in  der  allgemeinen  Verwirrung  in  dem
Flammenmcere  umgekommenen  verpesteten,  unbeerdigt  den  Strahlen
der  glühenden  Sonne  ausgesetzt,  die  Luft,  so  daß  der  Kaiser  die
gefährliche  Gegend  schnell  verließ  und  sich  an  das  gesündere  Gestade
der  See  zog  und  bei  Ancona  sein  Lager  aufschlug.))

Wohl  dachte  Friedrich  daran,  sich  sogleich  gegen  Apulien  zu
wenden  und  es  dem  König  Wilhelm  zu  entreißen;  aber  die  Fürsten,
von  ihm  um  Rath  gefragt,  sprachen  sich  entschieden  dagegen  aus:
durch  die  letzten  Kämpfe  hatte  das  Heer  schon  schwere  Verluste  erlitten,
  mit  der  immer  steigenden  verderblichen  Hitze  vermehrten  sich
auch  Krankheiten  und  Tovesfälle  und  so  blieb  dem  Kaiser,  so  ungern
er  es  that,  nichts  übrig  als  die  Fürsten  zu  entlassen  und  selbst  den
Heimweg  nach  Deutschland  anzutreten.)

Während  einige  Fürsten  gleich  von  Ancona  aus  zu  Schiff  nach
Venedig  gingen,  andere  durch  die  westliche  Lombardei  nach  Hause

1  Otto  Fris.  II,  23.

2)  Otto  Frie.  II,  24:  4e  princeps
din  cum  proceribus  maioridusque  de
Cxercitu  consultans  plurimum  ad  inclinandos
  animos  corum,  ut  in  Apuliam
  descenderent,  laboravit.  Verum
excandescente  amplius  in  erercitum
canis  rabie  vixque  aliquibus  residuis,

qui  aestus  fervore  et  abris  intemperie
corruptionem  non  sentirent,  sauciatis
qduoque  de  eivitatum,  castellorum,  oppidorum
  expugnatione  Hluribus  nonnullisque
  extinctis,  non  sine  cordis  amaritudine
  ad  transalpina  redire  cogitur.
Igitur  signo  dato  cunctis  ad  patriam
Licentia  redeundi  conceditur.