Die  Zustände  im  Slavenlande.  129

Neuntes  Kapitel.

Die  Zustände  im  Slavenlande  und  die  endgültige
Wiedererwerbung  Baierns.

Schon  vor  dem  Aufbruche  nach  Italien  war  zu  Goslar  Baiern
durch  rechtskräftiges  Urtheil  der  Fürsten  dem  Herzog  Heinrich  von
Sachsen  zugesprochen  worden.  Ihm  jetzt  wirklich  zum  Besitze  desselben
  zu  verhelfen,  fühlte  sich  Friedrich  um  so  mehr  verpflichtet,  als
Heinrich  ihm  während  der  ganzen  Dauer  der  Romfahrt  den  unermüdlichsten
  und  auch  reich  mit  Erfolg  gekrönten  Beistand  geleistet
hatte.  Noch  immer  aber  weigerte  sich  Heinrich  Jasomirgott,  das
ihm  früher  gleichfalls  durch  feierlichen  Spruch  der  Fürsten  zuerkannte
Herzegthum  herauszugeben  und  hatte  bisher  alle  Anerbietungen,  die
ihm  Friedrich  zu  einer  gütlichen  Ausgleichung  gemacht  hatte,  einfachvon
  der  Hand  gewiesen,  zum  Theil  wohl  aufgereizt  und  im  Geheimen
  gestützt  von  jener  Fürstenpartei,  die  sich  der  Wiederherstellung
der  Welfen  in  Baiern  von  vornherein  entgegengesetzt  und  ihrer
Misstimmung  über  den  Goslarer  Beschluß  ziemlich  unverhohlen
Ausdruck  gegeben  hatte.  Es  waren  dies  namentlich  Herzog  Ladislaus
von  Böhmen,  dem  Heinrich  Jasomirgott  als  sein  Schwager  doppelt
eng  verbunden,  der  Markgraf  Albrecht  und  Pfalzgraf  Hermann  vom
Rhein!),  —  dieselben,  die,  wie  es  scheint,  schon  einmal  während
des  Kaisers  und  des  Herzogs  Abwesenheit  in  Italien  die  Gelegenheit
  hatten  benutzen  wollen,  um  im  Bunde  mit  Hartwig  von  Bremen
den  Kampf  gegen  den  Sachsenherzog  offen  zu  beginnen.",  Damals
war  die  Ausführung  ihres  Plans  verhindert  worden,  vorzüglich  wohl
dadurch,  daß  Hartwig  von  seinem  Erzbisthum  und  damit  von  seinen
sämmtlichen  Hülfsmitteln  abgeschnitten  wurde.  Jetzt  freilich,  wo
Friedrich  aus  Italien  heimgekehrt  war,  umgeben  von  dem  Glanze
der  neuerworbenen  Kaiserkrone,  und  auch  Herzog  Heinrich  von
Sachsen,  nach  dem,  was  er  in  JItalien  geleistet,  mit  verdoppelten
Ansprüchen  auf  die  Gunst  des  Kaisers,  wieder  im  Reiche  anwesend
war,  da  mußten  diese  Fürsten  ihre  Erwartungen  wohl  bedeutend
herabstimmen.)

1)  Otto  Frie.  II,  27.  gestorum  magnifcentiam,  invaserat  me-2)
  Bgl.  oben  S.  124.  tus,  ut  omnes  ultro  venirent,  et  qui-3)

  Otto  Fris.  II,  27:  Tantus  libet  familiaritatis  eius  gratiam  obseetenim
  eos,  qui  remanserant,  ob  ipsius  quio  contenderet  invenire.

Pruy,  Heinrich  der  Löwe.  9