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132  1.  Buch.  9.  Kapitel.

wiesen  war,  hatte  sich  nach  dem  Tode  des  Vicelin  diesem  zu  entziehen
  gewußt  und  freiwillig  der  Hamburger  Kirche  untergeordnet.!)
  Auch  bei  dem  Propste  Ludolf  und  den  geistlichen  Brüdern
in  Hagersdorf  fand  Gerold  wohl  gastliche  Aufnahme  für  kurze  Zeit,
nicht  aber  dauernden  Unterhalt,  und  er  war  daher  ganz  ausschließlich
  angewiesen  auf  die  von  Vicelin  eben  erst  angelegte  und  daher
noch  so  gut  wie  ertraglose  Pflanzung  zu  Bosau.  Das  Ergebniß  der
ersten  Rundreise  durch  sein  Bisthum  war  daher  für  ihn  ein  sehr
trauriges.  In  seiner  Noth  blieb  ihm  schließlich  nichts  übrig,  als
sich  an  den  Erzbischof  von  Bremen  zu  wenden.  Aber  die  Aufnahme,
die  er  bei  diesem  in  Stade  fand,  war  keineswegs  erfreulich:  Hartwig
  machte  ihm  Vorwürfe,  daß  er  sich  nach  Rom  begeben  und  sich
dort  die  von  seinem  nächsten  Vorgesetzten  verweigerte  Weihe  geholt
habe;  jetzt  sei  daran  allerdings  nichts  mehr  zu  ändern,  doch  habe
ihm  der  Papst  die  ausvrückliche  Versicherung  gegeben,  daß  durch  die
in  Rom  vollzogene  Weihe  das  Untergebenheitsverhältniß  des  nenen
Bischofs  gegen  den  Bremer  Stuhl  in  keiner  Weise  beeinträchtigt
werden  sollte.  Gerold  seinerseits  erklärte,  daß  es  auch  gar  nicht  in
seiner  Absicht  gelegen  habe,  noch  liege,  sich  seinem  Metropolitane  zu
entziehen,  und  so  kam  denn  trotz  des  anfänglich  so  kalten  Empfanges
schließlich  doch  eine  Versöhnung  zu  Stande:  die  beiden  Geistlichen
versprachen  sich  für  alle  Fälle  der  Noth  gegenseitig  redliche  Unterstützung.)
  Des  neuen  Bischofs  Stellung  aber  blieb  insofern  dochimmer
  noch  eine  schwierige,  als  er  auch  nach  seiner  Aussöhnung  mit
dem  Erzbischof  das  intime  Verhältniß  zu  dem  Herzog  fortsetzte.  Gerade
  in  dieser  Zeit  aber  war  das  von  jeher  gespannte  Verhältniß
zwischen  dem  weltlichen  und  dem  geistlichen  Oberhaupte  Sachsens  ein
ganz  besonders  feindliches.  Die  Misstimmung,  welche  durch  Hartwigs
in  Abwesenheit  des  Herzogs  gegen  diesen  angesponnene  Intriguen
schon  einen  bedenklichen  Grad  erreicht  hatte,  wurde  nun  noch  wesentlich
  dadurch  vermehrt,  daß  der  Kaiser  eben  jetzt  die  Strafe,  welche
auf  den  roncalischen  Gefilden  gegen  Hartwig  für  sein  Ausbleiben
bei  der  Romfahrt  „verhängt  worden  war,  vollziehen  ließ.  Ein  kai-1)

  Helm.  II.  70:  Post  transitum  guicti  consulens,  ad  Ilammenburgen-Vicelini
  episcopi  fratres  de  Faldera  sem  ecclesiam  sese  transtulerat.
recesscerunt  a  subiectione  Aldenbur-  2)  Bgl.  den  sebr  ausführlichen  und
gensis  piscopatus  ob  laboris  fastidium.  mit  anschaulicher  Lebendigkeit  erzäblen-—
  ib.  e  2:  Siquidem  Falderensis  den  Bericht  bei  Helm.  I.  94,  der
domus  post  mortem  bentae  memoriae  offenbar  aus  der  mündlichen  Mittbei-Vieclini
  episcopi  commodo  simul  et  lung  des  Gerold  selbst  herstammt.