134  1.  Buch.  9.  Kapitel.

Schnee  und  Eis  einen  doppelt  trostlosen  Eindruck  machte,  hielt  Gerold
  mit  seinen  Begleitern,  unter  denen  sich  auch  der  Geschichtschreiber
  der  Slaven,  Helmold,  befand,  am  Epiphaniastage  die  Messe.)  Daß
aber  trotz  des  äußeren  Verfalles  die  inneren,  die  geistigen  Spuren
von  Vicelins  aufopferndem  Wirken  noch  nicht  ganz  verwischt  waren,
zeigte  dem  Bischof  das  freundliche  und  ehrerbietige  Entgegenkommen
des  Slavenfürsten  Pribislav,  welcher  sich  der  Entbehrungen  aller
Art  ausgesetzten  Missionare  mit  Theilnahme  annahm:  in  seinem
Hause  fanden  sie  die  gastlichste  Aufnahme.')  Den  zweiten  Tag  darauf
gingen  sie  weiter,  um  einen  andern  vornehmen  Slaven,  Thessemar
mit  Namen,  zu  besuchen.  )  Auf  dem  Ritt  zu  ihm  kamen  die  Glaubensboten
  an  einen  dem  Gott  der  Slaven  „Prove“  geweihten  Hain:
auf  des  Gerold  Mahnung  machten  sie  Halt,  zerstörten  die  schön  verzierte
  Umzäunung  desselben  und  errichteten  um  die  heilige  Eiche  einen
Scheiterhaufen,  dessen  Flammen  ihren  stattlichen  Stamm  verzehrten.
Bei  Thessemar  fanden  sie  freundliche  Aufnahme;  aber  tiefer  Schmerz
durchzog  ihre  Seele,  als  sie  im  Hause  ihres  Gastfreundes  die  Marterwerkzeuge
  und  Ketten  sehen  mußten,  die  für  die  aus  Dänemark
entführten  Christen  bestimmt  waren,  und  sich  solche  unglückliche,  bleiche,
abgehärmte  Gestalten  ihrem  Blicke  darboten.  Der  Schmerz  mußte
um  so  größer  sein,  als  sich  Gerold  und  die  Seinen  außer  Stande
sahen,  den  Armen  zu  helfen.)  Aber  der  schmerzliche  Anblick  wurde
für  sie  alle  ein  Sporn  zu  noch  unermüdlicherem  Arbeiten  für  die
Bekehrung  der  Slaven,  und  namentlich  in  Gerolds  Seele  flammte
neugenährt  der  Feuereifer  empor.  Für  jetzt  aber  beschloß  er  seine
Reise,  und  sich  südwärts  wendend  kehrte  er  nach  Lübeck  zurück.)

1)  ibid  Erat  antem  urbs  deserta
penitus,  non  habens  moenia  nisi  habitatorium
  parvulum,  quod  sanctne  memoriee
  Vicelinus  ibidem  erererat.  Ibi
in  ashorrimo  frigore  in  cumulo  nivis

olllcium  peregimus.  Aucitores
nulli  de  Slavis  praeter  Pribizlaum  ot
Daucos  admodum

2)  ibid.  Expletis  mysteriis  sacris
regavit  Pribizlaus,  ut  diverteremur
in  domum  sunm,  quse  erat  in  loco
remotiori.  Et  excepit  nos  eum  magna
alacritate  fecitque  nobis  convirium
lautum.  Im  Folgenden  ergeht  sich  Heln
  dann  im  Lobe  flavischer  Gast-#1
  —

3)  Helm.  1,  83:  Manentes  autem
apud  regulum  nocte  illa,  cum  die  ae

7#
nocte  subsequenti,  transirimus  ad  ulteriorem
  Slariam,  bospitari  apud  potentem
  quendam,  eui  nomen  Thesemar.


4)  ibid.  Nec  tamen  dulein  vel
iucunda  nobis  fuerunt  Slarorum  pocula,
  co  quod  videremus  compedes  et
diversa  tormentorum  genera,  quac  inferebantur
  christicolis  de  Dania  advectis.
  Asperimus  ibi  sacerdotes  domini
  caphtivitatis  diutina  detentione
maceratos,  quibus  episcopus  nec  vi
nec  prece  subvenire  poterat.

5)  Helm.  I,  82:  Prorima  die
dominica  convenit  universus  populus
terrae  ad  forum  Luubicense  et  veniens
dominus  episcopus  habuit  verbum  ehortationis
  ad  plebem