136  1.  Buch.  9.  Kapitel.
denn  durchaus  mit  dem  Grafen  und  den  Sachsen  denselben  Glauben  haben
sollten,  auch  im  Uebrigen  eine  mit  diesen  gleiche  Stellung  einräumen,
sie  also  nicht  so  übermäßig  mit  Steuern  und  Abgaben  belasten  müßte.)
Die  Uebelstände  und  Beschwerden,  welche  hier  in  Lübeck  zwischen
  Gerold  und  dem  Pribislav  zur  Sprache  kamen,  waren  wirklich
  vorhanden,  und  die  Worte,  die  Pribislav  dem  Bischof  auf
seine  Ermahnungen  erwiderte,  waren  in  dem  faktischen  Zustande
der  Dinge  nur  allzu  begründet.  Unter  den  einsichtigen  Männern
jener  Zeit,  vor  allen  denen,  die  sich  selbst  dem  mühevollen  und  so
selten  freudenreichen  Amte  der  Heidenbekehrung  widmeten,  denen
daher  besser  als  jedem  andern  ein  Urtheil  über  den  Charakter  und
die  Eigenthümlichkeiten  der  Slaven  zustand,  war  doch,  wie  es  scheint,
ziemlich  allgemein  die  Ansicht  geltend,  daß  nur  auf  dem  Wege  der
Milde  und  Güte  der  starre  Nacken  des  trotzigen  und  wenig  zuverlässigen
  Volkes  auf  die  Dauer  unter  die  milderen  Gesetze  des  Christenthums
  gebeugt  werden  könnte.  Sie  alle  —  so  namentlich  auch
unser  Helmold  —  eifern  daher  gegen  die  Verblendung  der  Fürsten,
welche  die  eben  erst  unterworfenen  und  dem  Christenthum  noch  nicht
ganz  gewonnenen  Stämme  mit  aller  Härte  auszubeuten  und  zu  einer
möglichst  ergiebigen  Quelle  für  ihren  Schatz  zu  machen  bemüht  sind.
In  diesen  Fehler  verfallen  zu  sein  und  dadurch  nicht  bloß  den  Erfolg
  des  Wirkens  der  eifrigen  Glaubensboten  beeinträchtigt,  sondern
namentlich  der  leichteren  und  sicherern  Ausbreitung  und  Befestigung
seiner  eigenen  Herrschaft  über  die  Slaven  vielfach  Abbruch  gethan
zu  haben,  —  dieser  Vorwurf  trifft,  wenn  irgend  einen  der  Fürsten
jener  Zeit,  so  vor  allen  und  am  schwersten  Herzog  Heinrich  von
Sachsen.  Die  Klagen,  welche  Pribislav  gegen  Gerold  über  ihn  aussprach,
  geben  uns  einen  Begriff  von  der  Härte  seiner  Bedrückungen
und  von  der  Höhe,  zu  der  er  seine  Ansprüche  an  die  Unterworfenen
spannte.  Die  Slaven  trugen  unter  seiner  Herrschaft  ein  überaus
schweres  Joch.  Ihre  immer  wiederholten  Aufstände,  der  stets  erneute
Abfall  waren  meist  verbunden  mit  einer  energischen  Reaction  gegen
das  neu  ins  Land  gekommene  Christenthum:  war  es  denn  aber  zu

1)  Vgl.  den  weiteren  Verlauf  der
zuletzt  angeführten  Stelle:  offenbar  verdanken
  wir  diese  überaus  lebhafte  und  anschauliche
  Schilderung  der  eigenen  Anschauung
  des  Helmold,  der  wie  er  den
Bischof  vorher  cleitet,  auch  in  Lübeck  bei
ihm  gewefen  sein  wird.  Besonders  bezeichnen

  ist  der  Schluß:  Et  ait  Pribizlaus:

i  domino  duci  et  tibi  placet,  ut  nobis
cum  comite  eadem  sit  culturne  ratio,
dentur  nobis  iurn  Saxonum  in  praedüs
  et  reditibus  et  libenter  erimus
Christianiz.