Die  Zustände  im  Slavenlande.  137

verwundern,  daß  die  Slaven  jene  harten  Erpressungen,  denen  sie
seit  ihrer  Bekehrung  zu  dem  neuen  Glauben  und  der  Unterwerfung
unter  sächsische  Herrschaft  ausgesetzt  waren,  als  mit  der  neuen  Lehre
in  Verbindung  stehend  anzusehen  geneigt  waren,  daß  sie  daher  nicht
bloß  die  aufgezwungene  Herrschaft,  sondern  auch  die  kaum  angenommene
  Lehre  wieder  loszuwerden  strebten,  jede  dazu  günstige  Aussicht
bietende  Gelegenheit  rasch  entschlossen  benutzten?  In  diesem  Lichte
aber  mußte  sich  ihnen  die  Sache  um  so  mehr  darstellen,  als  sie
neben  den  großen  Abgaben,  die  sie  dem  Grafen  und  dem  Herzoge
  zahlen  mußten,  auch  noch  die  Kosten  für  den  Bau  von  Kirchen
und  den  Unterhalt  der  Geistlichen  tragen  sollten.)

Von  Lübeck  aus  begaben  sich  Gerold  und  die  Seinen,  mit  ihnen
auch  der  Slave  Pribislav,  nach  Artlenburg,  wohin  sie  Herzog  Heinrich
  zur  Abhaltung  eines  Landtages  beschieden  hatte.)  Unter  den
dort  anwesenden  Slaven  befand  sich  auch  der  mächtige  Niclot.
Gerold  ließ  hier  die  Ermahnungen,  die  er  bereits  in  Lübeck  den
Slaven  wegen  des  Uebertrittes  zum  Christenthum  ertheilt  hatte,  noch
einmal  durch  den  weltlichen  Mund  des  gewaltigen  Sachsenherzogs
wiederholen.)  Lästerung  war  es  allerdings,  wenn  der  Slave  Niclot
dem  Herzog  auf  seine  Anrede  die  kecke  Antwort  gab:  „Sei  ver  Gott,
der  im  Himmel  ist,  Dein  Gott  und  Du  sei  unser  Gott,  so  sind  wir
zufrieden;  verehre  Du  jenen,  wir  werden  Dich  verehren!“  Aber
fast  möchte  man  darin  von  Seiten  des  Niclot  eine  sehr  richtige  Beurtheilung
  des  Herzogs  finden.  Daß  es  demselben  nämlich  eigentlich
  nicht  auf  die  Verbreitung  des  Christenthums  unter  den  Slaven
zu  thun  war,  sondern  vielmehr  darum,  dieses  Volk  unter  seine  Herrschaft
  zu  beugen  und  mit  den  reichen  von  ihm  zu  erpressenden  Abgaben
  seinen  Schatz  zu  füllen,  daß  er  die  Mission  eigentlich  nur
deshalb  nachdrücklich  unterstützte,  weil  sie  ihm  in  diesem  Streben
als  mächtige  Helferin  zur  Seite  stand,  —  das  beweist  nicht  nur  die
genauere  Betrachtung  seines  ganzen  Benehmens  in  den  slavischen

1)  Helm.  I,  63:  Eece  hoc  anno

2)  ibid.  Post  haec  ablit  episcopus
nos  habitatores  brevissimi  anguli  huins

noster  Geroldus  ad  m  propter

has  mille  marcas  duci  persolvimus,  porro
comiti  tot  centenarin  et  needum  erieimus,
  sed  quctidie  emungimur  et
premimur  usque  ad  Ezxinanitionem.
Quomodo  ergo  vacabimus  huie  religioni
novae,  ut  nedifloemus  erclesins  et
percipiamus  baptisma,  quibus  quotidiana
  indicitur  fuga?

colloqauium  provinciale,  qduod
laudatum  fuerat  Ertbeneburg,  et
evocati  venerunt  illue  reguli  Slarorum
ad  tempus  placiti.

3)  idid.  Tunc  adhortante  episcopo
dux  babuit  verbum  ad  Slavos  de  christianitate
