Erstes  Kapitel.

Heinrichs  Theilnahme  an  den  dänischen  und  polnischen
Angelegenheiten;  das  Fortschreiten  der  Colonisation
der  Slavenländer.

Als  Herzog  Heinrich  von  Regensburg  nach  Sachsen  zurückkehrte,
konnte  er  erfüllt  sein  von  dem  Gefühle  siegesfrohen  Stolzes:  der
Kampf,  den  sein  Haus  so  lange  Jahre  hindurch  mit  immer  gleicher
Ausdauer  und  oft  mit  der  Gefahr  des  Unterliegens  geführt  hatte,
war  nun  glücklich  beendet,  beendet  ohne  Erneuerung  des  alten  Haders
und  ohne  Blutvergießen,  in  einer  Form,  welche  den  Welfen  ihr
volles  Recht  zu  Theil  werden  ließ,  aber  nur  geringe  Opfer  auferlegte.
  Der  nunmehrige  Herzog  von  Sachsen  und  Baiern  stand  da  im
Besitz  einer  Machtfülle,  wie  sie  vor  ihm  und  neben  ihm  kein  Fürst
besessen,  nächst  dem  Kaiser  selbst  war  er  der  Gewaltigste  im  Reich.
Das  bedeutendste  Herzogthum  des  nördlichen  und  das  mächtigste  des
südlichen  Deutschland  waren  seinem  Arm  untergeben.  Während  die
eigentliche  Wurzel  seiner  Macht  zwischen  Weser  und  Elbe  lag,  erstreckten
  sich  die  letzten  Ausläufer  derselben  bis  an  den  Fuß  der
Alpen.  Und  wenn  die  jenseits  derselben  gelegenen  reichen  mathildischen
  Güter  auch  noch  nicht  wirklich  in  den  Besitz  seines  Oheims,
Welfs  VI.,  und  damit  seiner  Familie  gekommen  waren,  so  hatte  doch
der  Kaiser  selbst  den  Anspruch  der  Welfen  darauf  anerkannt  und
damit  dem  Haupte  derselben  das  Recht  gegeben,  auch  in  den  italienischen
  Angelegenheiten  ein  gewichtiges  Wort  mitzureden.  Herzog
Heinrich  nahm  damit  im  Reiche  eine  bisher  unerhörte  Stellung  ein:
und  zwar  gewann  dieselbe  davurch  wesentlich  an  Bedeutung,  daß
Friedrich  I.  sie  ihm  eingeräumt  hatte  in  dem  vollen  Bewußtsein,  daß
er  nur  so  seine  eigene  Macht  sichern,  daß  es  ihm  nur  so  möglich  werden
  würde,  unbeschadet  des  inneren  Friedens  des  Reichs  sich  zunächst.