150  2.  Buch.  1.  Kapitel.

ganz  der  Ordnung  der  italienischen  Dinge  hinzugeben,  daß  er  es
offen  ausgesprochen,  Heinrich  sei  die  Stütze,  ohne  welche  die  Ausführung
  dieses  Planes  unmöglich  sein  würde.  Durch  das  verwandtschaftliche
  Band,  welches  Beide  vereinigte,  durch  das  so  entschiedene
Emporheben  der  Welfen  konnte  Friedrich  seinen  Bund  mit  Heinrich
  als  einen  auch  durch  die  Gemeinsamkeit  der  Interessen  völlig
gesicherten  ansehen.  Bis  zu  einem  gewissen  Grade  konnte  er  nun
Heinrich  als  den  treuesten  Verfechter  seiner  eigenen,  der  kaiserlichen
Rechte  ansehen  und  daher  durch  die  Beförderung  und  Befestigung
der  Macht  desselben  seine  eigene  immer  fester  zu  begründen  glauben.

Durch  die  endgültige  Wiedererwerbung  Baierns  war  Herzog
Heinrich  auf  dem  Gipfel  seiner  Macht  angelangt.  Es  fragte  sich,
wie  lange  es  ihm  möglich  sein  würde,  sich  auf  dieser  schwindelnden
Höhe  zu  halten.  Mit  Recht  aber  knüpft  sein  Geschichtschreiber
Helmold  an  diesen  Punkt  den  Versuch,  des  gewaltigen  Herzogs  Beinamen
  „der  Löwe“  zu  erklären:  „es  wurde  ihm,“  sagt  er,  „jetzt  ein
neuer  Namen  geschaffen,  nämlich  Heinrich  der  Löwe,  Herzog  von
Baiern  und  Sachsen.“)

War  so  Heinrichs  Stellung  in  dem  ganzen  Reiche  schon  eine
ausgezeichnete,  so  wurde  sie  noch  um  Vieles  erhöht,  wenn  man
Sachsen,  überhaupt  den  Norden  des  Reichs  allein  ins  Auge  faßte.
Einmal  war  das  Herzogthum  in  Sachsen  überhaupt  noch  ein  sehr
starkes  und  in  sich  kräftiges,  dann  aber  kamen  die  für  Entfaltung
einer  Uebermacht  gerade  hier  ganz  besonders  günstigen  Verhältnisse
hinzu.  Durch  die  Zuerkennung  des  Investiturrechtes  in  den  drei
jenseits  der  Elbe  gegründeten  slavischen  Bisthümern  und  allen  dort
etwa  noch  entstehenden  hatte  Friedrich  I.  selbst  den  Herzog  von
Sachsen  nicht  bloß  recht  sehr  auf  die  Bekämpfung  der  Slaven  hingewiesen,
  sondern  ihm  eigentlich  eine  fast  selbständige  Stellung,  eine
souveräne  Macht  als  Siegespreis  verheißen.  Nach  Osten  hin  war
sein  Gebiet  eigentlich  jeder  Erweiterung  fähig.  Wesentlich  aber
wurde  Heinrichs  Macht  auch  dadurch  gehoben,  daß  an  der  seinem
Schutze  anvertrauten  Nordgrenze  des  Reichs,  gegen  Dänemark,  augenblicklich
  keine  Art  von  Gefahr  zu  fürchten  war,  da  gerade  damals
Dänemark,  von  neuen  inneren  Fehden  zerrissen,  dem  Sachsenherzog
die  beste  Gelegenheit  darbot  zur  willkürlichsten  Einmischung  und  so-1)

  Helm.  I.  84.  Ueber  die  Ent=  rührt  danach  zunächst  wohl  einfach  aus
stehung  dieses  Beinamene  vgl  v.  Heine-  einer  Latinistrung  des  Familiennamens
mann,  A.  d.  B.  p.  237  ff.  Derselbe  „Welf“  her.