1157.

158  2.  Buch.  1.  Kapitel.

Schloß  Dasenberg,  das  derselbe  von  ihm  zu  Lehen  trug.')  Aber

wie  es  bei  einem  so  zügellosen  und  gewaltthätigen  Mann  kaum
anders  zu  erwarten  war,  so  hielt  Widukind  das  Gelöbniß,  das  er
zu  Corvey  geleistet,  nicht,  sondern  gegen  sein  ausdrückliches  Versprechen
  unterließ  er  es,  vem  Wibald  Schavenersatz  zu  leisten.  Als
sich  der  Abt  deshalb  bei  Herzog  Heinrich  beklagte,  konnte  dieser  ihn
eben  nur  auf  die  Zukunft  vertrösten:  er  wollte  den  Schuldigen  noch
einmal  vorladen  und  zur  Erfüllung  aller  seiner  Verpflichtungen  anhalten.
  Doch  mußte  dies  eben  auf  später  verschoben  bleiben,  da
Heinrich  der  Löwe  im  Begriff  war,  sich  dem  Heere  des  Kaisers
zum  Zuge  gegen  Polen  anzuschließen..)  Der  Sammelplatz  dessel-H.-Zu.

  ben  war  in  Halle:  dort  traf  der  Herzog,  der  am  23.  Juni  mit

Anugust.

dem  Kaiser  zu  Goslar  zusammengewesen  war?),  zu  Anfang  des
August  ein.

Die  Veranlassung  zu  der  kriegerischen  Unternehmung  Friedrichs  I.
gegen  Polen  gab  die  bereits  unter  der  Regierung  seines  Vorgängers
erfolgte  Vertreibung  des  dem  Kaiserhause  verschwägerten  Herzogs
Wladislaus  II.  durch  seinen  Bruder.  Conrads  III.  Befehl,  demselben
  die  ihm  zukommende  Stelle  wieder  einzuräumen,  hatte  keine
Beachtung  gefunden.  Auch  Friedrichs  Weisung  hatte  man  nicht  befolgt.
  Der  Versuch  des  Polenherzogs  Boleslaus,  sich  ver  bisher
geltenden  Oberhoheit  des  deutschen  Reichs  zu  entziehen,  sowie  das
Versprechen  des  wieder  einzusetzenden  Wladislaus,  sich  ihr  zu  fügen,
beschleunigten  des  Kaisers  Entschluß,  seiner  Forderung  mit  gewaffneter
  Hand  Erfüllung  zu  erzwingen.)  So  versammelten  sich  denn
zu  Anfang  des  August  1157  die  Fürsten  zu  diesem  Zuge  in  Halle.
Herzog  Heinrich  der  Löwe,  die  Erzbischöfe  Wichmann  von  Magdeburg
  und  Hartwig  von  Bremen,  Albrecht  der  Bär,  Pfalzgraf  Otto
von  Wittelsbach'),  Herzog  Ladislaus  von  Böhmen  mit  seinen  Brüdern
  Heinrich  und  Theobald,  auch  die  Fürsten  und  Herren  von
Mähren  schlossen  sich  dem  Heere  an.  Von  Halle  aus  zog  man
gegen  die  Oder,  welche  nach  glücklicher  Ueberwindung  der  von  den
Polen  durch  Verschanzungen  und  Verhaue  bereiteten  Hindernisse  am

1)  ibi  d.  Castrum  meum  Dasen-  ab  expeditionc,  etsi  non  gratis  tamen
berg,  remota  omni  conditione  vel  verbo  in  beneplacito  vestro  et  nostro  per-Fratiae,
  recepi.  solvect.

2)  ibid.  u.  466  (p.  599),  wo  H.  3)  Reg.  56  u.  57.
an  Wibald  schreibt:  Cuod  autom  dom-  4)  Vgl.  Radevic.  I,  2.  Vincent.
nus  Widikindus  coram  nobi  promisit  Prag.  Mon.  SS.  XVII,  p.  666.
et  non  persolvii,  post  reditum  nostrum  5)  Vgl.  Reg.  60.