164  2.  Buch.  1.  Kapitel.

daß  er  Lübeck,  den  Stolz  des  Grafen  Adolf,  so  gut  wie  vernichtet
und  zu  Grunde  gerichtet  hatte.  Jetzt,  wo  seine  ehemals  blühende
und  ertragreiche  Stadt  als  ein  öder  und  unbewohnter  Trümmerhaufe
  da  lag,  da  konnte  vem  Grafen  an  der  Aufrechterhaltung  seiner
Weigerung,  sie  herauszugeben,  auch  nichts  mehr  gelegen  sein:  ihr
augenblicklicher  Zustand  war  ebenso  gut,  als  besäße  er  die  Stadt
gar  nicht.  Daher  kam  es  denn,  daß  er  dem  um  diese  Zeit  erneuerten
Gesuche  Herzog  Heinrichs,  ihm  den  Platz  zu  überlassen,  jetzt  ein
günstigeres  Ohr  lieh  und  dem  Wunsche  seines  Lehensherrn  endlich
  willfahrtete.  Er  leistete  auf  die  Burg  und  die  Insel  Verzicht.
  Stattlicher  und  größer  als  zuvor  hob  sich  nun  Lübeck  aus
den  Trümmern:  frohen  Herzens  kehrten  die  Kaufleute  aus  dem  ungünstig
  gelegenen  Löwenstadt  nach  Lübeck  zurück,  bauten  neue  Häuser
und  Speicher.  ).  Schnell  nahm  der  Handel  einen  kräftigen  Aufschwung.
  Die  Stadt  konnte  mit  dem  Tausche  ihres  Herrn  zufrieden
sein:  denn  wie  Graf  Adolf,  so  erkannte  auch  Heinrich  der  Löwe
vollständig  die  hohe  Bedeutung  des  Ortes  und  suchte  sein  Wachsthum
  in  jeder  Weise  zu  befördern.  Und  bei  seiner  außerordentlichen
Machtstellung  konnte  er  dies  weit  besser  und  nachdrücklicher,  als  es
sein  Vorgänger  im  Stande  gewesen  war.  Nach  Dänemark,  Schweden,
  Norwegen  und  Rußland  schickte  Herzog  Heinrich  jetzt  Gesandte,
um  mit  diesen  Reichen  freundschaftliche  Handelsbeziehungen  anzuknüpfen
  und  ihre  Kaufleute  zum  Besuche  seines  Hafens  einzuladen?,
wozu  er  ihnen  allen  sicheres  Geleit  gewährleistete.  Durch  Ausrodung
  ver  in  der  Umgegend  noch  zahlreich  vorhandenen  ausgedehnten
Wälder?)  erleichterte  Heinrich  den  Anbau  und  die  Erweiterung  der
neuen  Stadt.  Auch  legte  er  dort  eine  Münze  an,  —  Einrichtungen,
für  die  ihn  der  ihm  vom  Kaiser  verliehene  und  bei  dem  schnellen
Aufschwung  des  Lübecker  Handels  sich  bald  zu  einem  bedeutenden

Ertrage  steigernde  Zoll  reichlichst

parvis,  dux  iterato  sermone  coepit
convenire  comitem  Adolfum.  ..

1)  ibid.  Tandem  victus  comes  aeeit,
ducd  necessitas  imperabat,  et  resignavit
  ei  castrum  ct  insulam.  Et  tunce
iubente  duce  reversi  sunt  mercatores
cum  gaudio,  desertis  incommoditatibus
nov#e  ciwvitatis  et  coeperunt  reaediflcare
  ecclesias  et  moenia  civitatis.

)ibid.  Et  transmisit  dux  nuntios
  ad  civitates  ot  regna  aduilonis,
Daeniam,  Suediam,  Norwegiam,  Ruziam,

entschädigte.)  Lübeck  kam  durch

offerens  cis  pacem,  ut  haberent  liberum
  commentum  adeundi  eivitatem
suam  Lubike.

3)  Wenigstens  sagt  Heinrich  sp  später
selbst:  „eum  ludicensem  insulam  de
altis  vemoribus  nuper  erutam  receptioni
  narium  aptam  et  idoneam  providissemus.
  —  U.  B.  bes  Bistb.  L.  u.  11
(a.  1175).

4)  Helm.  1,  85;  Et  statuit  illic
monetam  ct  teloneum  —  —.  Ab  eo
tempore  prosperatum  est  opus  civitatis