Heinrichs  Theilnahme  an  den  Reichsangelegenheiten.  169

war  er  doch  bald  mit  ihm  und  Hartwig  in  Streit  gerathen.  Diesen  116.
legte  jetzt  Friedrich  bei,  indem  er  den  Bovo  in  seinen  Schutz  nahm,
zugleich  aber  die  beiden  alten  Gegner  dazu  verpflichtete,  bei
etwaigen  neuen  Differenzen  nicht  gleich  zu  den  Waffen  zu  greifen,
sondern  sich  an  ihn  um  seinen  kaiserlichen  Schiedsspruch  zu  wenden.)
Außerdem  wurde  zu  Augsburg  auch  noch  der  Streit  Heinrichs  mit
dem  Bischof  Otto  von  Freifing  geschlichtet  und  zwar  in  einer  Weise,
welche  dem  Herzog  im  Ganzen  Recht  gab,  wenigstens  seine  Maßregel
  nicht  rückgängig  machte.  )  Auch  das  war  für  Heinrich  den
Löwen  von  Wichtigkeit,  daß  zu  Augsburg  Gesandte  des  Dänenkönigs
Waldemar  erschienen  und  in  ihres  Herrn  Namen  von  Friedrich  J.
die  Belehnung  desselben  mit  Dänemark  erbaten.)  Indem  sich  Waldemar
  so  selbst  unter  die  Oberherrlichkeit  des  Reichs  stellte,  sicherte  er
auch  dem  Sachsenherzog  den  schon  seit  längerer  Zeit  ausgeübten
Einfluß.

Als  der  Kaiser  nun  nach  Italien  aufbrach,  blieb  Heinrich  der
Löwe  einstweilen  noch  im  Reiche  zurück.  Und  wie  die  Dinge  damals
lagen,  mußte  Friedrich  allerdings  darauf  bedacht  sein,  nicht  gleich
seine  ganze  Kraft  aufzuwenden,  sondern  sich  noch  einen  starken  Rückhalt
  zu  sichern.  An  der  Spitze  der  sich  immer  weiter  ausdehnenden
Opposition  stand  jetzt  offener  als  je  das  gewaltige  Mailand.  Unmittelbar
  nachdem  Friedrich  im  Jahre  1156  Italien  verlassen  hatte,
hatten  die  Mailänder  die  Feindseligkeiten  gegen  ihn  von  Neuem  begonnen,
  indem  sie  sich  des  von  ihm  so  streng  gezüchtigten  und  der
Rache  der  Pavienser  preisgegebenen  Tortona  annahmen,  die  verjagten
  Einwohner  zurückriefen,  ihnen  bei  der  Wiedereroberung  ihrer
Stadt  jede  Art  von  Hülfe  leisteten  und  mit  ihnen  ein  Schutz=  und
Trutzbündniß  schlossen.  Pavia  und  der  Markgraf  von  Montferrat,
die  sich  der  kaiserlichen  Sache  gegen  die  Rebellen  annahmen,  erlagen
ihrer  Macht,  die  sich  nun  schnell  ausbreitend  namentlich  das  schon
früher  so  hart  heimgesuchte  Lodi  traf,  das  für  seine  Weigerung,
ihrem  Bunde  beizutreten,  so  gut  wie  vernichtet  wurde.  Während
Friedrich  vurch  die  inneren  Angelegenheiten  des  Reichs,  dann  durch

1)  Vgl.  Hamb.  U.  p.  196:  Primum
  igitur  dilectos  nostros,  domnum
Bremensem  et  Bawariae  et  Sazoniae
ducem,  tante  dilectionis  vinculo  unire
censemus,  ut  si  alteruter  in  alterum
excesserit,  per  se  ulcisei  non  presumat,
  sed  dictanto  sententie  ad  examen
nostre  iustitie,  prout  decet,  recurrere

festinet.  —  —  Tro  cius  etiom  dilectione
  Bovonem  in  gratia  dueis  pleniter
restituemus  et  quam  diu  vivet,  ipsum
ad  omnis  sibi  pertinentia  aub  nostra
imperiali  tutela  conservabimus.

2)  Bgl.  Böhmer,  Reg.  2402.

3)  Radevic.  I,  m1.