170  2.  Buch.  2.  Kapitel.

den  Kampf  gegen  Polen  festgehalten  wurde,  gelang  es  zwar  dem
energischen  und  umsichtigen  Auftreten  seiner  beiden  Bevollmächtigten,
des  Kanzlers  Reinald  von  Dassel  und  des  Pfalzgrafen  Otto  von
Wittelsbach,  das  kaiserliche  Ansehen  gegen  weitere  ernstliche  Beeinträchtigungen
  und  Verluste  zu  schützen,  einige  der  bedeutendsten  in
ihrer  Treue  wankenden  Städte,  wenn  auch  nur  widerstrebend,  bei
dem  Reiche  zu  erhalten,  dennoch  aber  war  der  Zustand  Italiens  in
Folge  der  Gewaltthätigkeiten  der  Mailänder  im  Norden,  der  geheimen
  Intriguen  und  Verräthereien  der  Griechen  im  Süden,  ein  so
verwirrter,  daß  es  des  allerenergischsten  Eingreifens  bedurfte,  um
weiteres  Unheil  zu  verhüten.  Anfangs  ging  dem  Kaiser  auch  alles
nach  Wunsch:  Brescia  wurde  gedemüthigt,  Mailand  nach  längerer
Einschließung  durch  Hunger  zur  Uebergabe  gezwungen.  Sobald  so
das  Ziel  des  Zuges  erreicht  zu  sein  schien,  entließ  Friedrich  einen
großen  Theil  der  Fürsten  in  die  Heimath.)  Im  November  wurden
dann  auf  einem  Reichstage  in  den  roncalischen  Gefilden  die  streitigen
  Fragen  unter  Beistand  der  berühmtesten  Rechtsgelehrten  geregelt.
  Während  Friedrich  so  mit  den  Lombarden  sich  zu  einigen
suchte,  brach  der  Hader  mit  dem  Papste  von  Neuem  los.  Verschiedene
  Ursachen  wirkten  dazu  zusammen.  Die  zu  Roncalia  getroffenen
und  von  den  anwesenden  Geistlichen  gebilligten  Bestimmungen  über
die  Regalien:),  welche  ganz  in  die  Hand  des  Kaisers  gegeben  waren,
Friedrichs  Bemühungen,  das  zerstreute,  zum  großen  Theil  an  die
Kirche  gekommene  reiche  Erbe  der  tuscischen  Mathilde  wiederzuvereinigen,
  um  es  dem  rechtmäßigen  Erben,  Herzog  Welf  VI.,  zu  übergeben,
  riefen  zuerst  die  Misstimmung  des  Papstes  hervor.,)  Andere
Streitpunkte  kamen  hinzu,  es  entspann  sich  ein  leidenschaftlicher,
schon  in  seiner  Form  verletzender  Briefwechsel.  Der  hier  drohende
Ausbruch  machte  auch  Mailand  und  seinen  Anhängern  neuen  Munth:
es  empörte  sich  von  Neuem  und  wurde  am  6.  April  1159  abermals
geächtet.  Sofort  eröffnete  die  kühne  Stadt  den  Kampf,  ihrerseits  den
Kaiser  angreifend.  Friedrich  erkannte  bald,  daß  mit  der  Macht,  die
er  noch  bei  sich  hatte,  nichts  auszurichten  sei.  Nur  die  Einnahme
und  gänzliche  Demüthigung  Mailands  konnte  ihm  einen  entscheidenden
  Sieg  gewähren.  Nicht  bloß  die  ihm  anhängenden  italienischen
  Städte  rief  Friedrich  daher  um  Verstärkung  seines  Heeres  an,
sondern  seine  Boten  eilten  nun  auch  nach  Deutschland,  die  zurück-1)

  Radevio.  I,  44.  3)  Radevic.  II,  10.
2)  Radevic.  II,  15.