Heinrichs  Theilnahme  an  den  Reichsangelegenheiten.  173

theils  von  den  streitenden  Parteien  selbst  begehrten,  theils  eigenmächtigen
  Einmischungen  in  die  Angelegenheiten  Dänemarks  während  des
Thronstreites  entschieden  einen  Einfluß  auf  das  erst  im  Sammeln
neuer  Kräfte  begriffene  Land  gewonnen  hatte,  so  war  es  sehr  natürlich,
  daß  Waldemar,  so  lästig  auch  seinem  stolzen  und  entschieden
nach  Selbständigkeit  ringenden  Geiste  ein  solches  Verhältniß  sein
mochte,  sich  fürs  Erste  in  eine  gewisse  Abhängigkeit  von  dem  Sachsenherzog
  fügen,  ja  sich  in  seinen  Schutz  begeben  mußte.  Die  fortwährenden
  Kämpfe,  in  denen  Herzog  Heinrich  die  Slaven  befehdete,
sie  allmählich  aus  einer  Position  in  die  andere  jagte,  dienten  nicht
bloß  zur  Erweiterung  seines  Gebietes,  sondern  je  mehr  er  die  Slaven
  bekämpfte,  je  energischer  er  alle  ihre  Kräfte  zur  Abwehr  seines
Andranges  in  Anspruch  nahm,  um  so  weniger  waren  sie  im
Stande,  ihre  verwüstenden  Fehden  gegen  Dänemark  fortzusetzen.
So  lag  es  denn  bei  dem  damaligen  Zustande  seines  Reichs  durchaus
in  Waldemars  Interesse,  Heinrich  den  Löwen  in  seinem  Vordringen
gegen  die  Slaven  zu  unterstützen:  kämpfte  derselbe  doch  gegen  den
gemeinsamen  Feind,  dessen  sich  selbst  zu  erwehren  Dänemark  damals
noch  nicht  im  Stande  war.  Dieses  Verhältniß  zu  seinem  mächtigen
Nachbar  aber  mußte  für  Waldemar  um  so  drückender  sein,  als  Heinrich
  der  Löwe  sein  Uebergewicht,  sein  Schützeramt  nach  der  ihm
eigenen  Art  gewiß  sehr  fühlen  ließ.  Ebenso  erklärlich  ist  es  daher
und  kann  dem  Dänenkönig  nicht  zum  Vorwurf  gemacht  werden,  daß
er,  sobald  sein  Reich  zu  erstarken  begann,  sobald  es,  so  zu  sagen,
wieder  auf  eigenen  Füßen  stehen  und  sich  der  Slaven  nicht  bloß
erwehren,  sondern  selbst  angreifend  gegen  sie  vorgehen  konnte,  danach
strebte,  die  lästige  Vormundschaft  seines  bisherigen  Schützers  loszuwerden.
  Von  hieraus  wird  die  gewiß  ganz  planmäßige  und  später
für  Heinrich  den  Löwen  so  verderbliche  dänische  Politik  klar,  wonach
Waldemar,  sobald  sein  Reich  des  Schutzes  nicht  mehr  bedarf,  anfangs
sich  noch  an  Heinrichs  Macht  anlehnend,  den  Kampf  gegen  die
Slaven  beginnt,  dann  aber  nach  einigen  glücklichen  Erfolgen  selbständig
  und  offen  als  Nebenbuhler  des  Sachsenherzogs  hervortritt.
  Einstweilen  aber  reichten  die  Kräfte  seines  Reichs  noch  nicht
so  weit.  .

Als  daher  im  Frühjahr  1159  an  Herzog  Heinrich  den  Löwen
und  die  übrigen  sächsischen  Fürsten  der  Ruf  des  Kaisers  erging,  ihm
möglichst  schnell  mit  ihren  Schaaren  zu  Hülfe  zu  eilen,  und  der
Sachsenherzog  die  für  die  Zeit  seiner  Abwesenheit  nöthigen  Anord-*



1158.