178  2.  Buch.  2.  Kapitel.

neo.  Kaiser,  den  Einwohnern  wurde  das  Leben  und  so  viel  von  ihrer
Habe  geschenkt,  als  sie  bei  der  befohlenen  Auswanderung  mit  sich
forttragen  könnten;  die  in  der  Stadt  anwesenden  Mailänder  und
Placentiner  erhielten  nur  das  nackte  Leben.  Am  folgenden  Tage

2.  Jan.  bereits,  dem  27.  Januar,  wurde  der  Vertrag  vollzogen  und  nach  der
Entfernung  der  Einwohner  die  Stadt  dem  Erdboden  gleich  gemacht.))
Während  dann  die  italienischen  Bundesgenossen  des  Kaisers  reich
beschenkt  heimzogen,  begab  sich  Friedrich  von  den  Fürsten  begleitet
nach  Pavia  und  hielt  dort,  froh  des  nach  so  langen  Mühen  endlich
errungenen  Sieges,  einen  festlich  triumphierenden  Einzug.)

Aber  gerade  hier  in  Pavia  warteten  seiner  neue  Verwickelungen
und  der  Beginn  eines  langjährigen,  verhängnißvollen  Streites.
Während  der  Belagerung  von  Crema  nämlich  war  durch  den  am
1.  September  1159  erfolgten  Tod  Hadrians  IV.  der  päpstliche
Stuhl  erledigt  worden.  Bei  der  folgenden  Neuwahl  war  eine  Einigung
  zwischen  den  Cardinälen  nicht  zu  Stande  gekommen:  am
7.  September  1159  war  von  den  kaiserlich  Gesinnten  Octavian  als
Victor  IV.  auf  den  Stuhl  Petri  erhoben  worden,  während  die
Gegenpartei  den  in  den  letzten  Streitigkeiten  Hadrians  mit  Friedrich
als  bedeutenden  Gegner  des  Kaisers  hervorgetretenen  Kanzler  Roland
  als  Alexander  III.  erwählte.  Beide  bemühten  sich,  Friedrich
zur  Anerkennung  zu  bestimmen.  Dieser  aber  war  natürlich  entschieden
  für  den  ihm  günstig  gesinnten  Victor  IV.  und  wollte  von  einer
Anerkennung  oder  eigentlich  auch  nur  einer  Prüfung  der  Ansprüche
Alexanders  nichts  wissen.  Ja,  in  seiner  heftigen  Weise  soll  er  die
Gesandten  desselben,  die  bei  ihm  im  Lager  vor  Crema  erschienen,
als  Verräther  hängen  zu  lassen  gedroht  haben.  Nur  das  besänftigende
  Einschreiten  Heinrichs  des  Löwen  und  seines  Oheims  Welfs  VI.,
die  also  auch  hier  noch  ihrer  eigenthümlichen  Stellung  zwischen
Kaiser  und  Papst  treu  blieben,  soll  diese  Gewaltthat  verhindert
haben.))  Doch  würdigte  Friedrich  den  Gegenpapst  weiter  keiner
Antwort,  sondern  ließ  ihn  durch  die  Bischöfe  von  Verden  und  Prag
einfach  vor  den  Richterstuhl  eines  allgemeinen  Concils  bescheiden,

das  er  sofort  nach  Pavia  berief.

1)  Radevic.  II,  62.  Otto  Mor.  Le.
P.  619.
2)  Radevic.  l.  e.  Otto  Mor.  p.  620.
3)  Vita  Alezx.  III,  ap.  Watterich,
Vilac  pontiff.  Rom.  ir,  p.  382:  At
ille  nimio  superbiae  casctu  inflatus  non

Während  Victor  IV.  sich  bereit

solum  retinere  literas  sprovit,  sed  tamdquam
  insanus  nuncios  ipsos,  nisi
dux  Welfo  cum  duce  Saronise
eibi  restitisset,  nequiter  suspendere
  voluit.