Niclots  letzter  Aufstand  u.  s.  w.  181

an  der  Schwalm  in  Gegenwart  des  Volkwin  von  Schwalenberg  mit
dem  Kloster  Hersuidehausen  einen  Tausch.)

Die  Angelegenheiten,  welche  ihn  in  Italien  beschäftigt  hatten,
durfte  Heinrich  der  Löwe  auch  in  Deutschland  keinen  Augenblick  aus
den  Augen  verlieren.  Die  aus  dem  Schisma  und  den  italienischen
Händveln  sich  entwickelnden  Streitigkeiten  hatten  sich  schnell  auch  auf
Deutschland  erstreckt.  Die  entschiedene  Stellung,  welche  Friedrich  I.
durch  das  Concil  zu  Pavia  und  die  da  gefaßten  Beschlüsse  gegen
Alexander  III.  eingenommen,  hatte  keineswegs  die  allseitige  Theilnahme
  und  Nachahmung  gefunden,  die  er  erwartet  haben  mochte.
Nicht  bloß  die  Mission  des  gewandten  Reinald  von  Dassel  an  den
englischen  Hof  war  gescheitert,  auch  König  Ludwig  VII.  von  Frankreich,
  der  eine  Zeit  lang  Miene  gemacht  hatte,  sich  dem  kaiserlichen
Papste  Victor  IV.  anzuschließen,  war  schließlich  doch  der  Partei
seines  Gegners  treu  geblieben.  Viel  bedenklicher  aber  mußte  für  den
Kaiser  augenblicklich  der  Widerstand  sein,  den  er  bei  der  Geistlichkeit
des  Reiches  selbst  fand  und  der  stellenweise  einen  überaus  hartnäckigen
  und  leidenschaftlichen  Charakter  annahm.  Namentlich  die
süddeutsche  Geistlichkeit,  voran  die  baierische  und  an  ihrer  Spitze
wieder  mit  unerbittlicher  Energie  der  Erzbischof  von  Salzburg,  wei-1



gerten  sich  entschieden,  dem  Beispiele  der  in  Pavia  versammelt  gewesenen

  Bischöfe  Folge  zu  leisten,  sondern  hielten  ungeachtet  der
drängenden,  theilweise  drohenden  Abmahnungen  des  Kaisers  an  Alexander
  III.  als  dem  einzig  rechtmäßigen  Papste  fest.  Vereinzelter  blieben
solche  Beispiele  entschiedener  Opposition  in  dem  mittleren  und  nördlichen
  Deutschland,  obgleich  es  auch  da  nicht  an  Bischöfen  fehlen
mochte,  die,  im  Innern  Alexander  III.  anhängend,  sich  nur  durch
die  Gewalt  des  Kaisers  und  des  sie  streng  im  Auge  haltenden  Herzogs
  zum  Stillschweigen  und  wenigstens  zur  äußeren  Anerkennung.
Victors  IV.  bewegen  ließen.  Nur  wenige  sprachen  ihre  wahre  Meinung
  ganz  offen  und  rückhaltslos  aus:  zu  diesen  wenigen  gehörte
vor  allen  der  Bischof  Ulrich  von  Halberstadt.  Da  der  Kaiser  aber,
nachdem  er  einmal  einen  so  gefährlichen  Kampf  begonnen  hatte,  denselben
  auch  mit  dem  allergrößten  Nachdruck  durchzuführen  entschlossen
war,  so  stand  er  nicht  an,  gegen  die  seiner  Politik  widerstrebenden
Bischsfe  mit  den  einschneidendsten  Maßregeln  vorzugehen.  Dies  mußte
denn  zur  Absetzung  Ulrichs  führen:  im  Auftrage  Friedrichs  vollzog

1)  Reg.  74.

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