184  2.  Buch.  3.  Kapitel.

Strafe  fürchteten,  erschienen  auf  dem  Landtage  nicht:  die  Folge  davon
  war,  daß  sie  geächtet  und  die  Leute  des  Herzogs  zu  einem  allgemeinen
  Zuge  gegen  sie  aufgeboten  wurden.  Zur  Zeit  der  Ernte,
also  im  Spätsommer,  wollte  man  in  ihr  Gebiet  einbrechen'),  und
zwar  wurde  mit  König  Waldemar  verabredet,  daß,  während  Heinrich
von  der  Elbe  her  in  das  Land  der  Obotriten  vordringen  würde,  er
mit  einem  Heere  an  der  Küfte  landen  und  so  von  der  andern  Seite
her  den  Angriff  unterstützen  sollte.

Bevor  aber  die  verbündeten  Fürsten  bis  zur  Ausführung  ihres
Planes  kamen,  war  die  Kunde  von  dem  ihm  drohenden  Angriff  auch
schon  bis  zu  Niclot  gedrungen,  der  nach  Art  seines  kriegskundigen
und  immer  schlagfertigen  Volkes  nun  sofort  seinerseits  zu  den  Waffen
griff.  Wie  schon  früher  einmal,  so  wollte  er  auch  jetzt  wieder  durch
Wegnahme  oder  Verwüstung  des  reichen  Lübeck  dem  Herzog  einen
recht  empfindlichen  Schlag  beibringen.  Diesmal  aber  war  seine
Unternehmung  nicht  von  so  günstigem  Erfolg  begleitet  wie  früher.
Schon  waren  die  von  seinen  Söhnen  befehligten  Krieger  glücklich
und  von  der  Stadt  aus  unbemerkt  bis  zu  der  südlich  davon  über
die  Wakenitz  führende  Brücke  gekommen,  als  sie  unerwarteter  Weise
durch  einen  Graben  aufgehalten  wurden,  den  ein  Lübecker  Priester,
Namens  Athelo,  zur  Ableitung  eines  Baches  angelegt  hatte.  Während
  fie  da  hinüber  zu  kommen  suchten,  bemerkte  man  sie  von  dem
in  der  Nähe  gelegenen  Hause  vieses  Priesters,  und  auf  das  sich  nun
erhebende  Geschrei  eilte  Athelo  selbst  nach  der  Brücke:  schon  waren
die  ersten  Slaven  im  Begriff,  dieselbe  zu  betreten,  als  er  noch  rechtzeitig
  die  Kette  löste  und  die  Zugbrücke  im  entscheidenden  Augenblick
in  die  Höhe  schnellte.  Lübeck  war  gerettet.))  Dieser  Angriff  des
Niclot  spornte  den  Herzog  und  den  König  von  Dänemark  zu  gröberer
  Eile.  Zur  bestimmten  Zeit,  im  Hochsommer,  brach  Heinrich
mit  einem  starken  Heere  in  das  Land  der  Obotriten  ein,  während
gleichzeitig  eine  dänische  Flotte  unter  Waldemars  und  des  kriegerischen
  Erzbischofs  Absalon  Führung  bei  Pösel  landete.  Einem  so
nachdrücklichen  Doppelangriff  war  Niclot  nicht  stark  genug  Widerstand
  zu  leisten.  Seine  festen  Plätze  Jlow,  Mecklenburg,  Schwerin

1)  ibid.  Et  timuerunt  Slavi  venire  2)  Helm.  I.  86  extr.:  Tune  Nioloin
  praesentiam  ducis  eo,  quod  culpae  tus  videns  animum  ducois  contra  80
suas  essent  conscii.  Et  dedit  eos  dux  flrum  in  malum,  proposuit  primum
in  proseriptionem  et  fecit  omnes  suos  irrumpere  Lubeke  et  mieit  llios  auos
paratos  esse  ad  expeditionem  tempore  eo  oum  insidiis  ett.
messis.