Niclots  letzter  Aufstand  u.  s.  w.  189

Deutschland  vorgegangen  war:  während  früher  Welfen  und  Hohenstaufen
  in  leidenschaftlichem  Kampfe  mit  einander  gerungen,  sich  die
Krone  mit  Erbitterung  streitig  gemacht  hatten,  empfahl  jetzt  der
herrschende  Hohenstaufe  selbst  einen  Welfen  als  den,  dem  er  die
Zügel  der  Herrschaft  nach  seinem  Tode  übergeben  wissen  wollte.
Es  war  das  eine  neue  Anerkennung  der  gewaltigen  Macht  des
Sachsenherzogs,  durch  die  Friedrich  es  von  Neuem  deutlich  aussprach,
daß  er  ihn  in  allen  Wirren  und  Kämpfen  als  seine  zuverlässigste
Stütze  ansah.

Inzwischen  aber  zog  sich  die  Belagerung  Mailands  immer  mehr  1

in  die  Länge:  nach  länger  als  einem  Jahr,  erst  am  1.  März  1162,
fiel  die  gewaltige  Stadt,  durch  die  Qualen  des  Hungers  bezwungen,
in  die  Hand  des  erzürnten  Kaisers  und  mußte  ein  furchtbares,  vernichtendes
  Strafgericht  über  sich  ergehen  lassen.

Herzog  Heinrich  der  Löwe  hat,  wie  es  scheint,  schon  längere
Zeit  vor  der  Erringung  dieses  wichtigen  Erfolges  vom  Kaiser  Urlaub
  erhalten  und  sich  nach  Baiern  begeben")  und  dort  längere  Zeit
aufgehalten.  Denn  schon  zu  Beginn  des  Herbstes  1161  hielt  er  in
Karpfham  an  der  Rott  einen  dreitägigen  Landtag,  zu  dem  er  die
Großen  des  Landes  entboten  hatte.)  Die  Grafen  Berthold  von
Andechs,  Berthold  von  Bogen,  Heinrich  von  Hall,  Conrad  von
Ronegen,  der  Voigt  von  Regensburg  und  viele  andere  versammelten
sich  dort  um  den  Herzog.  In  Karpfham  wurde  auch  ein  seit  längerer
Zeit  schwebende  Streit  zwischen  der  durch  ihren  Propst  Gero  vertretenen
  Reichersberger  Kirche  und  dem  Grafen  Albert  von  Bogen
zum  Austrag  gebracht.  Im  Jahre  1157  nämlich  hatte  der  Graf
Berthold  von  Andechs  dem  Grafen  von  Bogen  das  Gut  Münster  cediert,
unter  der  Bedingung  jedoch,  daß  er  es  dem  Salzburger  Erzbisthum
und  der  Reichersberger  Kirche  übergeben  sollte.  Bisher  aber  hatte  sich
dieser  der  ihm  auferlegten  Verpflichtung  entzogen.  Gero  hatte  darauf
bei  Heinrich  dem  Löwen  Klage  erhoben  und  Albert  von  Bogen
mußte  nun  in  des  Herzogs  und  vieler  Edlen  Gegenwart  das  streitige
  Gut  dem  Gero  übergeben  und  diese  Abtretung  durch  einen  feierlichen
  Eid  auf  das  Evangelium  und  die  Reliquien  bekräftigen.  Die
Vogtei  über  die  neue  Besitzung  übertrug  der  Erzbischof  Eberhard
von  Salzburg  dem  Herzog  selbst.)

Von  Baiern  aus  begab  sich  Heinrich  der  Löwe  dann  nach  Bur-1)

  Helm.  I.  92:  Dux  vero  positus  2)  Reg.  n.  81.
in  Bavaria  —  3)  Bgl.  den  ausführlichen  Bericht