190  2.  Buch.  3.  Kapitel.

gund,  wohin  ihn  wichtige  Angelegenheiten  des  Reichs  riefen.  Vergeblich
  hatte  Friedrich  I.  schon  nach  dem  Concil  von  Pavia  den
Versuch  gemacht,  die  Könige  von  England  und  Frankreich  von  der
Seite  Alexanders  III.  auf  die  des  kaiserlichen  Papstes  Victor  IV.
hinüberzuziehen.  Während  er  damals  trotz  aller  Bemühungen  des
gewandten  Reinald  von  Dassel  bei  Frankreich  gar  nichts,  bei  England
  nur  einen  Aufschub  der  im  Uebrigen  schon  feststehenden  Entscheidung
  erreicht  hatte,  wollte  er  jetzt  von  Neuem  einen  entscheidenden
  Schlag  gegen  Alexander  versuchen.  Er  selbst  hatte  diesen
auf  einem  zweiten  Concil  zu  Lodi  noch  einmal  verdammen  und
Victor  anerkennen  lassen,  doch  wurde  nun  beschlossen,  die  Streitsache
  endlich  vor  ein  allgemeines  Concil  zu  bringen,  vor  dem  die
beiden  Gegner  selbst  erscheinen  und  ihre  Sache  führen  sollten.
König  Ludwig  VII.  von  Frankreich,  in  dessen  Schutz  sich  Alexander
  III.  begeben,  hatte  seine  Theilnahme  zugesagt  und  sich  zu  einer
Unterredung  mit  dem  Kaiser  bereit  erklärt:  bei  St.  Jean  de  Laöne
wollten  beide  Herrscher  zusammentreffen.  An  die  Könige  von  Ungarn
und  von  Böhmen  hatte  der  Kaiser  zu  diesem  allgemeinen  Concil
Einladungen  ergehen  lassen,  sowie  an  die  sämmtlichen  Erzbischöfe
und  Bischöfe  seines  weiten  Reichs.  Während  sich  nun  Herzog  Heinrich
  von  Baiern  aus  an  den  Ort  der  Versammlung  begab,  kamen
von  Sachsen  her  in  stattlichem  Zuge  vereinigt  der  Erzbischof  Hartwig
  von  Bremen,  der  Bischof  Gerold  von  Lübeck,  Graf  Adolf  von
Schauenburg  mit  vielen  Edlen,  und  in  ihrem  Geleite  der  König
Waldemar  von  Dänemark,  der  nicht  bloß  dem  Concile  beiwohnen,
sondern  zugleich  auch  sein  früher  gegebenes  Versprechen  erfüllen  und
dem  Kaiser  als  seinem  Lehensherrn  huldigen  wollte.)  Die  Furcht
Ludwigs  VII.  vor  den  stattlichen,  wohlgerüsteten  Schaaren  des  Kaisers
  aber  und  die  entschiedene  Weigerung  Alexanders  III.,  sich  vor
dem  Concil  zu  stellen,  während  Victor  unter  Friedrichs  Schutz  erschienen
  war,  ließen  es  auch  diesmal  nicht  zu  einer  Entscheidung
kommen.  Die  Unterredung  mit  dem  Kaiser  und  Ludwig  unterblieb
ganz.  Dazu  kam,  daß  gerade  in  diesen  Tagen  sich  Heinrich  II.  von
England  ganz  entschieden  für  Alexander  erklärte  und  sich  anschickte,

denselben  mit  gewaffneter  Hand

über  diese  Verhandlung,  der  nach  den
betreffenden  Urkunden  rueschalte.  ist
in  den  Ann.  Reichersp.  1.  c.  p.  469.

1)  Helm,  I,  90:  Tune  Kbiernon
simul  Waldemarus  cum  episcopis  Dagegen

  etwaige  Vergewaltigungen

niae,  Hartwicus  archiepiscopus,  Geroldus
  episcopus  et  comes  Adolfus  eum

multis  Sazoniae  ubili#s  ad  pru#eflrum

  eolloquii  locum.  Dux  vero
Positus  in  Bavaria  alia  via  venernt.