192  2.  Buch.  3.  Kapitel.

nach  einer  funfzehn  Jahr  bestehenden  Ehe  zeigt  aber  allein  schon
zur  Genüge,  daß  die  allerdings  vorhandene,  aber  doch  nur  sehr  weitläufige
  Verwandtschaft  Heinrichs  mit  seiner  Gemahlin  nur  den
äußeren  Vorwand  abgeben  sollte.  Möglich  ist  es,  daß,  wie  in  diesen
Zeiten  oft,  der  Mangel  männlicher  Nachkommenschaft  den  Herzog
seiner  Gemahlin  entfremdete:  —  denn  ein  Sohn,  der  aus  dieser
Ehe  geboren  war,  hatte  noch  als  kleiner  Knabe  durch  einen  unglücklichen
  Zufall  seinen  Tod  gefunden?,  so  daß  Heinrich  nur  zwei  Töchter
hatte,  —:  die  wahren  Motive  aber,  welche  die  Trennung  der  Ehe
veranlaßten,  waren  rein  politischer  Natur  und  gingen  aus  von  der
engen  Verbindung,  in  der  Heinrich  der  Löwe  mit  dem  Kaiser  stand,
dessen  Politik  er  damals  nach  innen  wie  nach  außen  sich  ganz  unbedingt
  anschloß.  Die  alte  Feindschaft  zwischen  den  Zäringern  und
Hohenstaufen,  welche  Friedrich  I.  gleich  nach  seiner  Wahl  durch
einen  auch  von  Heinrich  dem  Löwen  mit  verbürgten  Vertrag  beendigt
  hatte,  drohte,  nachdem  bisher  das  Einvernehmen  zwischen  dem
Kaiser  und  Herzog  Berthold  IV.  nicht  weiter  gestört  worden  war,
gerade  in  dieser  Zeit  mit  einem  neuen  Ausbruch.  Friedrich  hatte
nämlich  dem  zum  Erzbischof  von  Mainz  erwählten  Bruder  des  Herzogs
  von  Burgund,  Rudolf,  seine  kaiserliche  Bestätigung  versagt
und  dadurch  dem  alten  Familienhaß  neue  Nahrung  gegeben.  Herzog
Berthold  kehrte  in  seine  alte,  dem  Kaiser  feindliche  Stellung  zurück,
trat  selbst  mit  Ludwig  VII.  von  Frankreich  in  geheime  Unterhandlungen,
  die  bei  des  Letzteren  Stellung  zu  dem  Schisma  für  Friedrich
leicht  sehr  gefährlich  werden  konnten.  So  schienen  dem  Reiche  von
Seiten  der  Zäringer  neue  Erschütterungen  bevorzustehen.  Die  Heirath
  Heinrichs  mit  Clementia  aber  war,  wie  wir  früher  gesehen
haben,  in  einer  Zeit  geschlossen,  wo  er  selbst  den  Hohenstaufen  noch
feindlich  gegenüberstand  und  durch  diese  Ehe  sich  an  dem  mächtigen,
gleichfalls  gegen  die  Hohenstaufen  thätigen  Geschlecht  eine  neue
Stütze  schaffen  wollte.  Jetzt  war  seine  eigene  politische  Stellung
vollkommen  geändert:  er  selbst  war  der  genauste  Bundesgenosse,  die

1)  Vgl.  darüber  Wedekind,  Noultus.

  Deu  Todestag  giebt  das
ten  1,  p.  405  fl.;  namentlich  die  Stelle  i

Neerol.  Hildesheim.  ap.  Leibnitz,  88.
II.  Kal.  Nov.

des  Chron,  monast.  Si.  Michaelis  de
Sazoniae  principibus  ib.  p.  415:  H.
dux  duxit  flliam  dueis  Zaringiae,  Clomeutiam
  nomine,  de  qua  genuit  puerum
  eiusdem  vocabuli,  qui  Luneburg
improviso  cadens  de  mensa  mortuns.
est  et  aute  altare  sanctae  crucis  geror.

  Br.  I,  p.  767:
(30.  Oct.)  Heinricus  puer,  flius  Heiu--rioi
  ducis  Saxoniae.  Auf  die  beiden
aus  dieser  Ehe  stammenden  Töchter
wird  noch  bei  einer  spätern  Gelegenheit
  zurückzukommen  sein.