194  2.  Buch.  4.  Kapitel.

empfangen  hatte,  und  der  im  Lande  der  Polaben  waltende  Graf
Heinrich  von  Ratzeburg  suchten  auf  demselben  Wege  wie  Graf  Adolf
in  Wagrien  eine  neue  Blüthe  der  Cultur  zu  begründen,  indem  sie
von  fernher,  namentlich  aus  Westfalen,  Ansiedler  in  das  Land  zogen,
unter  die  sie  die  Aecker  und  Wiesen  vertheilten;  auch  waren  sie
fleißig  im  Erbauen  von  Kirchen  und  statteten  die  Diener  derselben
reichlich  mit  Zehnten  aus.)  Da  aber  diese  Zehnten  meistens  schwer
auf  den  Ansiedlern  und  den  unterworfenen  Slaven  lasteten,  so  stieß
die  Leistung  derselben  zuweilen  auch  auf  ernstlichen  Widerspruch.
So  verweigerten  namentlich  die  in  dem  den  Slaven  abgenommenen
Wagrien  sitzenden  Holsaten  die  Zahlung  der  üblichen  Zehnten.  Sie
beriefen  sich  dafür  auf  eine  ihnen  angeblich  noch  vor  der  Uebersiedelung
  nach  Wagrien  gemachte  Concession,  daß  sie  wegen  der  Nähe
ihrer  Wohnsitze  an  der  feindlichen  Grenze  und  wegen  des  daher  oft
zu  leistenden  Kriegsdienstes  von  diesen  Zahlungen  befreit  sein  sollten.)
  Der  Bischof  Gerold  erhielt  von  dem  Grafen  Adolf,  an  den
er  sich  deshalb  wandte,  die  Zusicherung,  eine  solche  Exemtion  sei
nicht  gewährt,  die  Holsaten  also  zur  Zahlung  ihrer  Abgaben  verpflichtet.
  Vergeblich  aber  blieben  die  mahnenden  Worte,  welche  deshalb
  Gerold  an  den  in  Bornhsved  sitzenden  Oberboden  des  Stammes,
  Marcrad,  richtete,  ja,  sie  steigerten  den  Unwillen  nur  noch.
Nicht  mit  Unrecht  hoben  die  Ansiedler  hervor,  daß  der  größte  Theil
der  von  ihnen  erlegten  Zehnten  nicht  zum  Nutzen  der  Kirche  und
zur  Förderung  der  Kirchengründungen  im  eigenen  Lande,  sondern
meistens  im  Interesse  ganz  anderer  weltlicher  Dinge  verwendet  worden
  sei.  )  Diesen  widerspänstigen  Geist  zu  brechen,  sah-sich  Bischof

Gerold  schließlich  genöthigt,  seine

1)  Helm.  I,  91:  Fuit  ergo  in
diebus  illis  parx  per  universem  Slaviam
  et  munitiones,  quas  dux  iure
belli  possederat  in  terra  Obotritorum,
coeperunt  inhabitari  a  populis  advenarum,
  qui  intraverant  terram  ad
possedendum  enm.  Fuitdue  praesectus
  terrae  illius  Guncelinus,  vir  fortis
et  amicus  ducis.  Porro  Henricus  comes
  de  Raceburg,  quse  est  in  terra
Foleborum,  adduxzit  maultitudinem  po-Pulorum
  de  Westfalia,  ut  incolerent
terram  Polaborum  et  dirisit  eam  terram
  in  funioulo  distributionis.  Et
dsedillcaverunt  ecclesias  et  subminis--traverunt
  decimas  fruetuum  suorum  ad

Zuflucht  zu  dem  Schutz  des  mächcultum

  dems  Dei

I.  *-  At  viri  Holsati,
qui  Wagironziam  terram  —  —  inhabitabant,
  —  —  decimis  ijuxta  divinum
Praeceptum  legaliter  persolvendis  rebelles
  existebant.  Solvebant  autem
mensuras  PDorvulas  sex  de  eratro,  quod
sibi  dicebant  permissum  pro  levamine,
cum  adhuc  essent  in  terra  nativitatis
suge,  propter  viciniam  barbarorum  et
tempus  belli.

3)  idid  —  —  Posteren  hoc  adie-Gerunt,
  non  multum  aberrantes  a  veritate,
  quod  omnes  peno  decimae  in
luxus  secularium  cesserint.