1164.

204  2.  Buch.  4.  Kapitel.

Geistlichen  des  Bisthums  zu  sich  und  gab  ihnen  den  bisherigen  Abt
von  Riddagshausen,  Conrad,  zum  Vorsteher')  Conrad  war  des
verstorbenen  Gerold  Bruder  und  stand  wie  dieser  dem  herzoglichen
Hause  nahe:  diesem  Umstande,  sowie  seiner  bedeutenden  Gelehrsamkeit
  mag  er  vor  allen  Dingen  seine  Erhebung  zu  verdanken  gehabt
haben.  In  Stade  wurde  er  in  der  ersten  Hälfte  des  Februar  1164
von  Erzbischof  Hartwig  geweiht,  dem  seine  Erhebung  im  Uebrigen
keineswegs  genehm  war.')  Doch  fanden  auch  die  Conrad  nunmehr
untergebenen  Geistlichen  bald  allerhand  an  ihm  zu  tadeln,  namentlich
  sein  rasches  und  etwas  übereiltes  Wesen,  seine  bis  zur  Härte
und  Ungerechtigkeit  ausartende  Willkür,  welche  ihn  denn  auch  nach
oben  wie  nach  unten,  mit  dem  Erzbischof  und  dem  Herzog  sowohl,
wie  mit  den  ihm  untergebenen  Geistlichen  in  allerhand  ärgerliche
Conflicte  brachte.)

Unmittelbar  nach  Erledigung  dieser  kirchlichen  Frage  traf  den
Herzog  eine  Nachricht,  die  ihn  zu  erneuter  Thätigkeit,  zur  Anspannung
  aller  seiner  Kräfte  gegen  die  Slaven  treiben  mußte.  Während
seiner  den  ganzen  Winter  dauernden  Abwesenheit  hatten  diese  einen
neuen  Versuch,  sein  Joch  abzuschütteln,  vorbereitet.  Bei  seiner  letzten
  Unternehmung  gegen  die  Slaven  im  vorhergehenden  Jahr,  welche
ihm  das  feste  Werle  und  den  jüngeren  Sohn  des  einst  so  gefährlichen
  Niclot,  Wratislav,  in  die  Hände  geliefert  hatte,  war  mit  dem
Bruder  desselben,  Pribislav,  kein  eigentlicher  Friede  geschlossen,  sondern
  in  kleinen  Scharmützeln  der  Kampf  noch  länger  fortgesetzt
worden.  Wratislav,  der  in  Braunschweig  in  strenger  Haft  gehalten
wurde,  fand  dennoch  Gelegenhcit,  durch  geheime  Boten  seinen  Bruder
  von  seiner  Lagc  zu  unterrichten  und  zu  seiner  Befreiung  aufzufordern.)
  Diese  Auregung  brachte  die  im  Geheimen  immer  fortwirkende
  Gährung  gegen  die  Deutschen  zu  einem  neuen  Ausbruch;

die  Slaven  beschlossen  abermals,

1)  Helm.  II,  1.  Compositis  ergo
rebus  in  Bawaria  Ilenrieus  Leo  —
rorversus  eost  in  Saxoniam  et  accersito
clero  Lubicensi  dedit  eis  pontificem
dominum  Conradum  abbatem  de  Reddegeshusen,
  fratrem  germanum  domini
Geroldi  episcopi

2)  ibid.  *n*m  huie  Hartwigo  archibiscopo
  et  omnibus  pene  Lubicensis
Ccsset  contrarium,  praevaluit  tamen
voluntas  dueis,  cui  refragari  formidolosum
  erat.  Recepie  autem  sacrum

einen  plötzlichen  Ueberfall  gegen

ordinem  per  manum  Hartwiei  aepi  in
civitate  Stadenei.

olm.  II,  1:  Commonitus  a
duce  nihil  remissius  egit,  sed  alionavit
  se  a  duce  et  confoederotus  est  archiepisoopo.


4)  Helm.  II,  2:  Wertialavus  enim,
—  qui  tenebatur  in  wincolis  Brunswich,
  mandavit,  ut  dicitur,  Pribizlavo
fratri.  Per  nuntios,  dicens:  worauf
die  zum  Kampf  aufreizenden  Worte
folgen.