206  2.  Buch.  4.  Kapitel.

turereignisse  nichts  waren  als  Vorboten  des  nahenden  Verderbens.
Wie  hundert  Jahre  zuvor,  glaubte  man,  würden  die  Slaven  in  wildem
  Aufruhr  dem  Beispiele  der  Wellen  folgen,  sich  in  vernichtenden
Schaaren  über  die  ihnen  benachbarten  Länder  ergießen,  die  mühsam
gepflanzte  deutsche  Cultur  gänzlich  zu  vernichten.  Aber  einmal  war  in
den  Slaven  nicht  mehr  jene  ihnen  früher  eigene  sieghafte  Energie,  und
dann  waren  die  Deutschen  jetzt  besser  als  ehemals  auf  einen  starken
und  erfolgreichen  Widerstand  gerüstet.  So  kam  es  denn,  daß  das
Vordringen  der  Slaven  schon  bei  der  nächsten  Burg,  die  sie  zu
überrumpeln  dachten,  ein  Ende  erreichte  durch  die  kaltblütige  Besonnenheit
  und  Energie  des  vom  Herzog  zum  Verwalter  des  Obotritenlandes
  eingesetzten  Guncelin  von  Hagen.  Auf  die  Nachricht  von
dem  Falle  Mecklenburgs  war  er  nach  dem  zunächst  bedrohten  Jlow
geeilt,  um  selbst  die  Vertheidigung  vesselben  zu  leiten.)  So  geschah
es,  daß  Pribislav,  der  von  Mecklenburg  aus  mit  einer  kleinen  Schaar
vorausgeeilt  war,  um  die  Burg  wo  möglich  unvorbereitet  zu  überfallen,
  seinen  Zweck  nicht  erreichte.  Guncelin  wollte  ihn  noch  vor
Ankunft  des  Hauptheeres  der  Slaven  angreifen;  doch  erschien  dies
unthunlich,  da  man  der  zahlreichen  in  Jolw  selbst  angesessenen  Slaven
  keineswegs  ganz  sicher  war  und  fürchten  mußte,  daß  sie  im
Bunde  mit  ihren  Landsleuten  den  Deutschen  in  den  Rücken  fallen
oder  sie  durch  Schließung  der  Thore  einem  sichern  Verderben  preisgeben
  würden.  Gegen  einen  solchen  Versuch  glaubte  sich  Guncelin
durch  den  in  Gegenwart  der  Slaven  laut  an  seine  Leute  ertheilten
Befehl  zu  sichern,  daß  beim  ersten  Anzeichen  eines  Einverständnisses
der  in  Jlow  wohnenden  Slaven  mit  den  draußen  stehenden  die
Thore  geschlossen  und  die  Stadt  mit  allen  Einwohnern  den  Slaven
überliefert  werden  sollte.  Am  Abend  desselben  Tages  wurde  Pribislav
  durch  die  Ankunft  seines  Hauptheers  verstärkt.  In  Folge  der
furchtbaren  Drohung  des  tapfern  Guncelin  blieb  sein  Versuch,  die
Ilower  Slaven  auf  seine  Seite  herüberzuziehen,  vergeblich.  Dies  und
die  Erkenntniß,  daß  er  die  Burg,  die  so  tapfer  vertheidigt  wurde,
nur  nach  längerer  Zeit  und  mit  großen  Opfern  würde  einnehmen
können,  bewog  den  Pribislav,  schon  am  andern  Morgen  den  Rückzug
  anzutreten..)  Während  nun  Guncelin,  nachdem  er  Jlow  ganz

1)  Helm.  II.  2:  Porro  Guncelinus  prsesidio.
—  —  audiens  per  exploratorum  ma-  2)  iid.  Advortentes  autem  Slevi,
nus,  exisse  Slavos,  prseierat  cum  gquia  Guncelinus  et  qui  cum  eo  sunt,
Paucis  militibus  Jiowe,  ut  fieret  urbi  viri  fortes  sunt  et  bellicosi  nee  posse