Die  neuen  Empörungen  der  Söhne  Nielots  u.  s.  w.  209
ständniß  stehenden  Pommernherzoge,  welche  sich  mit  ihren  Bundesgenossen
  in  das  feste  Demmin  zurückgezogen  hatten,  bei  dem  Erscheinen
  des  deutschen  Heeres  Gesandte  an  den  Grafen  Adolf,  welche
ihm  eine  bedeutende  Summe  Geldes  anboten,  wenn  er  ihnen  beim
Herzoge  günstige  Friedensbedingungen  auswirken  wollte;  doch  scheint
dies  nur  eine  List  gewesen  zu  sein,  um  Zeit  und  Gelegenheit  zum
Spionieren  zu  finden,  auch  wurden  ihre  Anerbietungen  einfach  abgewiesen.')
  Obgleich  sich  nun  die  Ankunft  des  Hauptheeres  unerwartet
lange  verzögerte,  der  nicht  sehr  ftarke  Vortrab  daher  sich  dem  überlegenen
  Feinde  gegenüber  in  einer  bedenklichen  Lage  befand,  so  versäumten
  die  Grafen  Adolf  und  Reinhold  es  doch,  die  nöthigen
Vorsichtsmaßregeln  zu  treffen:  die  warnende  Stimme  des  Oberboden
der  Holsaten,  Marcrad,  verhallte  ungehört.  Die  Slaven  aber
hatten  die  Zeit  der  scheinbaren  Unthätigkeit  fleißig  benutzt,  um  sich
durch  Kundschafter  genau  vom  Stande  der  Dinge  im  Lager  der
Gegner  zu  unterrichten,  auch  mit  den  unter  den  Schaaren  Adolfs
von  Schauenburg  befindlichen  Oldenburger  Slaven  hatten  sie  zu
diesem  Zwecke  geheime  Verbindungen  angeknüpft.)  So  konnte  es
geschehen,  daß  das  Verderben  die  sorglosen  Deutschen  ganz  unerwartet
  und  daher  mit  doppelter  Schwere  traf.

Es  war  am  Morgen  des  6.  Juli2P),  als  die  zum  Fouragieren  e.  Auli.
ausziehenden  Troßknechte  am  Fuße  des  Hügels,  auf  dem  das  Lager
stand,  die  gewaltigen  Massen  der  Slaven  in  Schlachtordnung  aufgestellt
  erblickten.  Sie  hatten  eben  nur  noch  Zeit,  die  im  tiefsten
Schlaf  liegenden  Ritter  durch  ihr  Geschrei  aufzuwecken,  —  in  größter
Verwirrung,  nur  halb  bewaffnet  eilte  alles  herbei:  —  da  stürmten
auch  schon  die  ersten  Reihen  der  Slaven  die  Anhöhe  hinauf.  Noch
gelang  es  den  Deutschen,  sie  vom  Lager  abzuhalten,  den  Hügel  hinab
und  in  einen  am  Fuße  desselben  befindlichen  Sumpf  zu  werfen.
Aber  sofort  stand  eine  neue  Sturmcolonne  der  Slaven  auf  dem

1164.

sidiose;  nam  quaceunque  gerebautur
in  exereitu,  nemapänerunt  hostibus

1)  Helm.  II,  4:  Universus  vero
Slavorum  ezxercitus  consederat  in  urbe

Dimin  fü#eruntque  principes  eorum  Kazemarus
  at  Bogeslaus,  duces  Pomeranorum,
  et  cum  bis  Pribislavus  autor  rebellionis
  miseruntque  nuncios  ad  comitem
volentes  per  oum  admitti  ad  eonditiones

2)  idid.  Miserunt  ergo  Slavi  noetu
speeulatores  in  castra  explorare  statum
exereitus.  Aldenburgenses  vero  Slavi
fuerant  eum  Adolso  comite,  sed  in-Pruy,

  Heinrich  der  Löwe.

per  manus  explorntorum.

3)  Das  Datum  ergiebt  sich  aus  den
Nachrichten  Über  des  Grafen  Adolf
Todestag:  Necrolog.  Michnel.
(ap.  Wedekind,  Noten  III,  p.  50):
II.  Non.  Julii  Adolfus  comes,  —  womit
  stimmen  das  ibid.  citirte  Necrol.
Mindense  mss.  und  Necr.  Visbeccense
  (Mss.  Guellb.):
comes  oceisus  cum  aliis  multis

14

obiit  A.