Die  neuen  Empörungen  der  Söhne  Niclots  u.  s.  w.  213

nun  die  so  oft  gefährdeten  Neugründungen  auf  lange  Jahre  hinaus
gegen  jeden  Aufstandsversuch  gesichert  zu  sein  schienen.  Ob  das
eigentliche  Motiv,  welches  den  Herzog  zum  Abbrechen  seines  sicheren
Sieg  verheißenden  Zuges  bestimmte,  wirklich  die  Furcht  gewesen  ist,
daß  Dänemark  durch  die  auch  ihm  zufallenden  Vortheile  zu  stark
und  ihm  daher  ein  gefährlicher  Nachbar  werden  würde  ,  müssen
wir  dahingestellt  sein  lassen.  Doch  erscheint  die  Annahme  eines
solchen  Beweggrundes  kaum  gerechtfertigt,  wenn  man  beachtet,  wie
sich  auch  noch  nach  diesem  Zuge  des  Herzogs  Verhältniß  zum  Dänenkönig
  gestaltete.  Denn  obgleich  das  dänische  Reich  unter  der  Regierung
  des  alle  Umstände  klug  benutzenden  Waldemar  sich  wieder
bedeutend  gehoben,  in  den  letzten  Jahren  sogar  schon  angefangen
hatte,  seine  Herrschaft  nach  außen  hin  zu  erweitern  —  so  namentlich
über  das  wichtige  Rügen  —,  obgleich  Waldemar  eben  an  der  Seite
des  gewaltigen  Sachsenherzogs  einen  sieg=  und  ruhmreichen  Feldzug
gegen  die  Slaven  mitgemacht  hatte,  so  reichten  die  Kräfte  seines
Reiches  doch  noch  keineswegs  aus,  sich  der  von  allen  Seiten  andringenden
  Gegner,  namentlich  der  seeräuberischen  Inselslaven,  erfolgreich
zu  erwehren,  geschweige  denn  sich  als  ebenbürtig  neben  den  Sachsenherzog
  zu  stellen:  und  so  finden  wir  denn,  daß  selbst  nach  diesem
glücklichen  Feldzug  das  Schutzverhältniß,  in  dem  er  zu  Heinrich  bisher
  gestanden  hat,  erneuert  wird.  Die  bereits  erwähnte  Verlobung
des  damals  einjährigen  dänischen  Thronerben  Knud  mit  der  jüngeren
Tochter  Heinrichs  aus  erster  Ehe  war  nur  eine  äußere  Bethätigung
desselben.  Waldemar  mußte  die  von  Heinrich  durch  Bekämpfung
der  Slaven  zur  Sicherung  Dänemarks  geleisteten  Dienste  mit  einer
großen  Summe  Geldes  bezahlen.  Auch  kamen  beide  Fürsten  von
nun  an  öfter  an  der  Eider  oder  in  Lübeck  zusammen,  um  ihre  in
den  flavischen  Angelegenheiten  sich  so  mannigfach  berührenden  Interessen
  zu  berathen.)

Trotz  der  großen  Erfolge,  welche  man  gegen  die  Slaven  erkämpft
  hatte,  war  die  kriegerische  Thätigkeit  an  der  Grenze  noch
nicht  gleich  mit  dem  Friedensschluß  beendigt.  Die  Pommernfürsten
selbst  zwar  hielten  die  Bedingungen  des  Vertrages  gewissenhaft  ein,
aber  der  eigentliche  Anstifter  des  ganzen  für  sie  so  verderblichen

1)  6  enimmt  Böttiger,  H.  d.  Lubike  pro  commodis  utriusque  terrae
L.  p.  Et  dedit  rex  duci  pecuniam  magnam
2)  —n  II,  '6:  Et  habuit  dux  co,  quod  pacarentur  termini  eius  por

Pacem  cum  Waldemaro  —  et  celebra-  ipsum  a  vastatione  Slavorum.
verunt  colloquin  ad  Eydoram  sive