Heinrichs  völliger  Anschluß  an  d.  Politik  d.  Kaisers.  215
er  einen  Akt  frommer  Dankbarkeit  zu  vollziehen.  Unter  dem  Geleite
des  Bischofs  Conrad  von  Minden  wurde  der  Leichnam  des  Grafen
Adolf  von  Schauenburg  nach  Minden  gebracht  und  dort  in  der
Familiengruft  in  der  Vorhalle  des  Doms  mit  allen  gebührenden
Ehrenbezeugungen  und  Feierlichkeiten  beigesetzt.)  Wohl  hatte  Heinrich
  Grund,  dem  Dahingeschiedenen  alle  Ehren  zu  erweisen,  denn
des  Grafen  Adolf  Tod  war  für  ihn  und  die  Germanisierung  der
Slavenlande  ein  geradezu  unersetzlicher  Verlust.  Nicht  bloß  einen
unermüdlichen  tapfern  Vorkämpfer  gegen  die  Slaven  hatte  der  Herzog
  in  ihm  verloren,  sonrern  zugleich  einen  Mann,  der  wie  keiner
es  verstanden  hatte,  das  mit  Blut  erkaufte  Gebiet  auch  gleich  nutzbar
  zu  machen  und  die  von  den  Slaven  geräumten,  in  trauriger
Einsde  daliegenden  Landstrecken  mit  strebsamen  Colonisten  zu  besetzen.
  Wie  Großes  er  geleistet,  zeigte  sich  am  deutlichsten,  wenn
man  die  von  ihm  verwaltete  Gegend  in  dem  Zustande,  wie  sie  bei
seinem  Tode  war,  verglich  mit  dem,  in  welchem  er  sie  im  Jahre
1140  vorgefunden  hatte.  Das  damals  wüst  und  unbebaut  liegende
Land  war  jetzt  von  fleißigen  Ackerbauern  besetzt,  feste  Burgen  schütz“-.
ten  die  friedlichen  Ansiedler  mehr  und  mehr  gegen  die  räuberischen
Einfälle  der  Slaven,  und  unter  dem  Schutze  ihrer  Mauern  bauten
sich  rasch  aufblühende  Städte  an:  und  sie,  die  schon  damals  ihre
künftige  Herrlichkeit  verkündende  Königin  der  Ostsee,  Lübeck,  war  ja
auch  sein  Werk.  Der  Herzog  hatte  in  ihm  einen  unersetzbaren  Mitarbeiter
  verloren,  die  ihm  Untergebenen  einen  fürsorglichen  Schützer,
die  Slaven  einen  gefürchteten  Gegner:  bei  allen  blieb  sein  Name
unvergessen,  und  es  erklärt  sich,  wie  frommer  Aberglaube  an  dem
Baume,  unter  welchem  seine  Eingeweide  begraben  waren,  Zeichen
einer  besonderen  Begnadigung  des  Dahingeschiedenen  bemerken  wollte.)

Mehr  als  irgenr  einem  der  in  seinem  Dienste  gegen  die  Slaven
rastlos  kämpfenden  Großen  verdankte  Heinrich  der  Löwe  gerade  dem
Grafen  von  Schauenburg.  Die  Schicksale  dieser  Familic  waren  seit
einer  langen  Reihe  von  Jahren  mit  denen  der  holsteinischen  Grafschaft

  auf  das  Engste  verwachsen

1)  Heelm.  II,  5:  Postquam  ergo
dux  erxiens  Slavia  dimisit  exereitum.
unumquemque  in  sun.  corpus  Adolf
comitis  perlatum  est  Minden  ibique
sancta  devotione  reconditum.  Ann.
Egmund.  p.  463:  Episcopus  Mindensis
  Adolhk  comitis  corhus  —  —  —
in  porticu  ecclesiae  Mindensis  sepegewesen;

  es  war  daher  nur  ein

livit.

2)  Ann.  Egmund.  p.  463:  In
loco  autem,  quo  viscera  eius  sehulta
sunt,  ipsi  Dagani  se  frequenter  vidisso
ardens  lumen  zestati  sunt,  ubi  ct  casam
  ligneam  fabricantes,  locum  ipsum
in  magna  veneratione  habuerumt.