Heinrichs  völliger  Anschluß  an  d.  Politik  d.  Kaisers.  219

zwei  Seiten  her  bedrohte  Stellung  zu  sichern.  Aber  noch  ehe  er
selbst  zu  einem  wirklichen  Entschluß  gekommen  war,  war  seine  Politik
  durch  die  rasche  Kühnheit,  die  leivenschaftliche  Eigenmächtigkeit
des  ersten  und  bedeutendsten  seiner  Räthe  in  ganz  andere  und,  wie
sich  später  zeigen  sollte,  sehr  verhängnißvolle  Bahnen  gelenkt.  Friedrichs
  Befehl  an  seinen  Kanzler,  Reinald  von  Dassel,  in  dieser  wichtigen
  Frage  keinen  entscheidenden  Schritt  ohne  des  Kaisers  Zustimmung
  zu  thun,  kam  schon  zu  spät.  Mit  Vernachlässigung  aller
Formen  hatte  Reinald  schon  durch  einige  dem  Kaiser  anhängende
Cardinäle  den  Bischof  Guido  von  Crema  als  Paschalis  III.  zum
Papfte  wählen  lassen;  ebenso  formlos  und  allem  Herkommen  widersprechend
  war  die  durch  den  Erzbischof  von  Lüttich  vollzogene  Weihe
des  kaiserlichen  Papstes.  Damit  war  die  Entscheidung  getroffen  für
Fortsetzung  des  Kampfes  gegen  Alexander  III.  bis  zum  Aeußersten,
getroffen  nicht  durch  Friedrich  selbst,  sondern  eigentlich  gegen  seine
eigene  Absicht  und  Neigung.  Welchen  Sturm  der  Kanzler  damit
gegen  seinen  Herrn  heraufbeschworen  hatte,  sollte  sich  sofort  in  der
Besorgniß  erregendsten  Weise  zeigen.  Der  Widerstand  der  lombarvischen
  Städte  erhielt  durch  Erneuerung  des  Schisma  sofort  neuen
Nachdruck  und  trat  in  der  offensten  Weise  hervor,  so  daß  Friedrich
sich  entschloß,  nach  Deutschland  zurückzukehren  und  ein  neues  Heer
gegen  die  gewaltigen  Städte  zu  sammeln.  Aber  auch  in  seinen  Be-Rehungen
  zu  den  übrigen  Ländern,  ja  in  Deutschland  selbst  hatte
Friedrich  bald  die  üblen  Folgen  der  elligen  Erneuerung  des  Schisma
zu  fühlen.  Durch  den  Tod  eines  der  beiden  Gegenpäpste  hatte  man
gehofft,  die  Kirchenspaltung  in  der  einfachsten  Weise  beendet  zu  sehen,
und  selbst  von  denen,  welche  es  bisher  mit  Victor  IV.  gehalten,
wollte  sich  jetzt  keiner  dem  neuen  kaiserlichen  Papste  anschließen  und
so  zur  Verlängerung  des  traurigen  Zwistes  beitragen,  sondern  fast
ohne  Ausnahme  bekannten  sie  sich  jetzt  zu  Alexander  III.  als  dem
einzig  rechtmäßigen  Papste.  So  kam  es  denn,  daß  im  Jahre  1164
eigentlich  nur  noch  Friedrich  I.  selbst,  Herzog  Heinrich  der  Löwe
und  Reinald  von  Dassel  es  ernstlich  mit  Paschalis  III.  hielten.)
Die  Partei  seines  Papstes  in  Deutschland  selbst  möglichst  zu  verstärken
  war  daher  zugleich  mit  der  neuen  italienischen  Expedition
der  Gedanke,  welcher  den  Kaiser  bei  seiner  Rückreise  am  meisten
beschäftigte.

1)  Ifl.  Epist.  Ottonis  Cardin.  ud  Reeueil  XVI,  p.  239.
Thom.  Cautuar.  aep.  ap.  Bouquet,

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