1164.

2.  Nov.

220  2.  Buch.  5.  Kapitel.

Die  mannigfachen  Fehden,  welche  während  seiner  Abwesenheit
die  Ruhe  des  Reiches  ernstlich  gestört  hatten,  gelang  es  ihm  auf  dem
großen  Hoftage,  den  er  am  18.  November  zu  Bamberg  hielt,  beizulegen.
  Damals  kam  auch  der  in  Schwaben  zwischen  Welf  VII.
und  dem  Markgrafen  Hugo  von  Tübingen  ausgebrochene  und  mit
größter  Erbitterung  geführte  Kampf  zum  Austrag,  nachdem  kurz  vorher
  Welf  bei  dem  Versuche  sich  Tübingens  zu  bemächtigen  eine
schwere  Niederlage  erlitten  hatte  (6.  September).  Bei  der  Wichtigkeit
  der  auf  dem  Reichstage  zu  Bamberg  verhandelten  Gegenstände
ist  zu  vermuthen,  daß  auch  Herzog  Heinrich  der  Löwe  demselben  beigewohnt
  hat.  Den  Weg  vorthin  wird  er  über  Goslar  genommen
haben,  wo  er  am  2.  November  das  Kloster  Nordheim  in  seinen
Schutz  nahm  und  ihm,  nachdem  er  anderer  Ansprüche  abgekauft,
bedeutende  Privilegien  verlieh.)

Heinrichs  Anwesenheit  in  Bamberg  haben  wir  um  so  mehr  anzunehmen,
  als  Friedrich  I.  gerade  mit  dem  Herzoge  noch  ganz  besonders
  wichtige  Unterhandlungen  zu  führen  hatte.  Da  der  von  ihm
aufgestellte  Gegenpapst  weder  in  Deutschland,  noch  in  den  Nachbarreichen
  Anerkennung  fand,  er  selbst  mit  dem  Sachsenherzog  und  dem
Erzbischof  von  Cöln  eigentlich  der  einzige  Rückhalt  desselben  war,
so  wollte  Friedrich  jetzt  einen  bereits  früher  gemachten,  damals  aber
gescheiterten  Versuch  erneuern,  nämlich  den  in  der  Angelegenheit  des
Schisma  eine  noch  immer  nicht  ganz  entschiedene  Stellung  einnehmenden
  König  von  England  auf  seine  Seite  zu  ziehen.  Und  wie  sich
die  Dinge  in  diesem  Lande  inzwischen  gestaltet  hatten,  konnte  er
wohl  auf  Erfolg  seiner  Bemühungen  hoffen.  König  Heinrich  II.
war  durch  den  Streit,  der  zwischen  ihm  und  dem  ihm  einst  treu
ergebenen  Erzbischof  von  Canterbury,  Thomas  Becket,  über  die  Clarendoner
  Constitutionen  ausgebrochen  war,  und  in  welchem  sich  der
Papst  natürlich  mit  allem  Nachdruck  der  gefährdeten  Rechte  des
Klerus  annahm,  zu  Alexander  in  eine  ähnliche  Stellung  gekommen
wie  Friedrich  selbst.  Eine  Annäherung  der  beiden  Herrscher  war
daher  die  natürliche  Folge.  Da  aber  einerseits  Heinrich  II,  schon
aus  Scheu  vor  einem  großen,  ihm  zur  glücklichen  Durchfechtung  seines
  Streites  unentbehrlichen  Theil  des  englischen  Klerus  einen  gänzlichen
  Bruch  mit  dem  Papste  zu  vermeiden  bemüht  war,  andererseits
aber  auch  Alexander  III.  den  König,  der  in  der  Noth  zu  ihm  ge-)

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