Heinrichs  völliger  Anschluß  an  d.  Politik  d.  Kaisers.  221
standen  und  eine  seiner  wesentlichsten  Stützen  gewesen  war,  nicht
durch  ein  wirklich  energisches,  rücksichtsloses  Auftreten  zu  einem
äußersten  Schritt  treiben  wollte,  so  bedurfte  er  —  das  sah  Friedrich
wohl  ein  —  um  seinen  Zweck  zu  erreichen,  großer  Anerbietungen
und  eines  hohen  Preises.  Das  politische  Band,  durch  das  er  sich
in  dem  nun  mit  aller  Anstrengung  zu  erneuernden  Kampfe  gegen
Alexander  III.  mit  dem  König  von  England  vereinigt  zu  sehen
wünschte,  sollte  auch  äußerlich  bethätigt,  durch  ein  gleichzeitig  zu
schließendes  verwandtschaftliches  bekräftigt  und  für  die  Zukunft  gesichert
  werden,  und  zwar  doppelt  nachhaltig  dadurch,  daß  nicht  bloß
er  selbst,
mit  den  Plantagenets  sich  verwandtschaftlich  verbinde.

So  kam  es  um  die  Mitte  des  April  1165  zu  der  zweiten  Reise
Reinalds  von  Dassel  an  den  englischen  Hof.)  Er,  der  gewandteste
und  kühnste  Staatsmann  seiner  Zeit  und  recht  eigentlich  die  Seele
der  kaiserlichen  Partei,  sollte  noch  einmal  versuchen,  Heinrich  II.  auf
die  Seite  Friedrichs  und  des  von  ihm  erhobenen  Papstes  herüberzuziehen.
  Als  Preis  bot  er  ihm  im  Auftrage  des  Kaisers  zwei  durch
ihren  Glanz  allerdings  sehr  lockende  Verlöbnisse  an.  In  glänzender
Versammlung  des  Hofes  erschien  Reinald  zu  Rouen  vor  dem  Könige.
Für  des  Kaisers  Sohn,  den  späteren  Heinrich  VI.,  hielt  er  um  des
Königs  jüngere  Tochter  an,  während  er  für  Heinrich,  den  Herzog
von  Sachsen  und  Baiern,  die  Hand  der  älteren,  Mathilde,  erbat.)
Daß  diese  Verlöbnisse  augenblicklich  aber  nur  ein  lockendes  Beiwerk
waren,  der  Schwerpunkt  der  Gesandtschaft  aber  in  den  Verhandlungen
  über  Englands  Stellung  zu  dem  neuen  schismatischen  Papste
zu  suchen  ist,  zeigt  schon  das  kindliche  Alter  der  zu  Verlobenden.
Friedrichs  I.  Sohn  war  erst  wenige  Monate  alt:  er  sollte,  wie  es
scheint,  mit  Heinrichs  II.  zweiter  Tochter,  Eleonore,  versprochen
werden.)  Auch  seine  älteste  Tochter,  um  die  Heinrich  der  Löwe
werben  ließ,  war  damals  erst  acht  Jahre  alt.  Nach  dreitägigen  Verhandlungen
  kamen  denn  auch  beide  Verlöbnisse  zum  Abschluß.)  Sie

1)  Robert.  de  Monte  a.  1165
(Mon.  SS.  VI,  p.  514).

2)  Rob.  de  Monte  Il.  c.  Venerunt
  similiter  ad  eum  legati  Frederici
imperatoris  Alemannorum,  Reinaldus
seilicet  archiepiscopus  Colonieneis  cancellerius
  ipsius,  et  multi  alii  magni
potentstus  viri,  requirentes  eum  ex
Parte  imperatoriz,  ut  deret  unam  dliarum

  sunrum  Ilenrico,  duci  Baicarie,
et  aliam  filio  #  licet  adhuc  puerulo.

3)  Nach  Ann.  Colon.  max.  1165
(Mon.  SS.  XVII.  p.  779)  ist  Heinrich  VI.
u  Afang  des  J.  1165  zu  Nimwegen
eb
6  “  Die  dritte,  Johanna,  wurde  erst
im  Kufe  des  Jahres  1175  geboren.

5)  Rob.  de  Monte  1.  c.  Exactis

1165.

sondern  der  nach  ihm  selbst  mächtigste  Mann  im  Reiche