Heinrichs  völliger  Anschluß  an  d.  Politil  d.  Kaisers.  223

er  sie  durch:  Reinald  selbst  war  der  erste,  welcher  den  verhängnißvollen
  Eid  leistete.  Ihm  folgten  der  Kaiser,  viele  der  anwesenden
Geistlichen,  dann  die  weltlichen  Fürsten,  an  ihrer  Spitze  Herzog
Heinrich  der  Löwe,  der  Markgraf  Albrecht  und  Landgraf  Ludwig
von  Thüringen.  Die  anwesenden  englischen  Gesandten  leisteten  den
Absageeid  im  Namen  ihres  Königs,  Heinrichs  II.)

In  diesem  wichtigen  Augenblick  also  sehen  wir  den  gewaltigen
Herzog  in  der  vollkommensten  Uebereinstimmung  mit  dem  Kaiser
und  in  dem  unbedingtesten  Anschluß  an  seine  gewagte  Politik,  —
eine  Richtung,  welche  mit  seinem  früheren  Benehmen  in  der  Streitfrage
  des  Schisma,  seinen  offenen  Vermittelungsversuchen,  sowie  mit
der  althergebrachten  Stellung  seines  ganzen  Geschlechtes  zu  den
Päpsten  sehr  wenig  im  Einklang  steht.  Auch  will,  wie  wir  sehen
werden,  Heinrichs  späteres  Verhältniß  zu  Alexander  III.  nicht  nur,
sondern  auch  zu  seinem  dem  Kaiser  ebenfalls  feindlich  gegenüberstehenden
  Nachfolger  wenig  zu  dieser  so  ganz  entschiedenen  und  rücksichtslosen
  Parteinahme  gegen  die  Kirche  passen,  und  es  läßt  sich  daher
  kaum  annehmen,  daß  Heinrich  wirklich  aus  innerer  Ueberzeugung
so  gehandelt  habe.  Es  war  dies  nichts  als  ein  Akt  politischer  Berechnung,
  der  nur  auf  seinen  eigenen  Vortheil  abzielte.  Und  wirklich
mußte,  wie  sich  die  Dinge  eben  damals  für  ihn  zu  gestalten  anfingen,
  der  unbedingte  Anschluß  an  den  Kaiser  und  seine  Politik
dem  Sachsenherzog  als  das  Beste  erscheinen.  Denn  eben  damals
begann  sich  von  einer  ganz  anderen  Seite  her  ein  gewaltiger  Sturm
gegen  ihn  vorzubereiten,  gegen  ven  er  dann  jahrelang  ankämpfen
sollte,  um  schließlich  doch  zu  unterliegen.

In  diese  Zeit  nämlich  ist  vermuthlich  die  Fehde  zu  setzen,  welche
zwischen  dem  Herzog  und  dem  jungen  Pfalzgrafen  Adalbert  von
Sachsen  ausbrach  über  den  Besitz  der  Lauenburg,  einer  Bergveste
in  der  Nähe  von  Quedlinburg,  und  eines  anderen  von  der  Halberstädter.
  Kirche  zu  Lehen  gehenden  Gutes.  Anfangs  fand  der  Pfalzgraf
  an  Albrecht  dem  Bären  einen  Bundesgenossen;  als  dieser  ihn
aber  im  Stich  ließ,  konnte  er  sich.  gegen  die  Uebermacht  des  Herzogs
nicht  halten  und  mußte  einen  Frieden  schließen,  in  welchem  er  dem
Herzog  die  Lauenburg  und  das  Halberstädter  Lehen  abtrat.)  Doch

1)  Bgl.  Mon.  L  L.  II,  p.  135  ff.  fecta  ost  inter  Henricum  ducem  et
gl.  Gorvas.  dorobenn  a.  1168  marchionem  Adelbertum  et  Dalatinum
ap.  Twysden,  p.  1406.  iuniorem  Adelbertum.  Sors  cecidit
Ann.  Polid.  p.  93:  Diesensio  super  paletinum;  derelictus  enim  de