Der  große  Fürstenbund  gegen  Heinrich  den  Löwen.  227

einsetzen,  wie  nur  die  thatkräftigsten  Kaiser  es  nach  langen  Kämpfen
vermocht  hatten;  auch  gegen  die  Bischöfe,  deren  Erhebung  nicht  sein
Werk  war,  zeigte  er  immer  nur  allzuviel  Neigung,  mit  ihnen  geradezu
wie  mit  seinen  Unterthanen  umzugehen.  Eine  wesentliche  Stütze
fand  seine  ganz  abnorme  Stellung  in  seinen  siegreichen  Kämpfen
gegen  die  Slaven  und  den  dort  erlangten  Erfolgen:  die  weiten  Gebiete,
  die  er  sich  nach  Osten  hin  unterwarf,  konnte  er  recht  eigentlich
als  sein  Land  ansehen,  darin  ganz  unumschränkt  und  willkürlich
walten.  Die  gegen  seine  Uebermacht  sich  regende  Misstimmung  hatte
sich  schon  längst  in  kleineren  Reibungen,  in  versteckten  Feindseligkeiten
  Luft  gemacht.  Eine  fast  ununterbrochene  Kette  kleinerer  Kämpfe
mit  den  übrigen  sächsischen  Fürsten,  fortwährende  Feindseligkeiten
mit  den  Bischsfen  hatten  seine  zwanzigjährige  Regierung  begleitet:
fast  immer  waren  es  Fragen  um  Mein  und  Dein  gewesen,  welche
die  Veranlassung  zu  blutigen  Kämpfen  gegeben  hatten.  Auch  die
übrigen  Großen  des  Landes  sind  von  ihm  mannigfach  bedrückt  und
gekränkt  worden,  ja,  vielleicht  sahen  sie  sich  in  allen  den  Rechten,
welche  sie  am  höchsten  hielten,  durch  die  Allgewalt  des  Herzogs  bedroht,
  mußten  fürchten,  ihrer  felbständigen  Stellung  beraubt  und
ganz  zu  herzoglichen  Dienstleuten  herabgedrückt  zu  werden.)

Mit  der  so  stets  wachsenden  Zahl  der  auf  ihn  neidischen  und
ihn  fürchtenden  wuchs  auch  die  Wahrscheinlichkeit,  daß  sich  dieselben
vereinigt  auf  dem  Wege  offener  Gewalt  des  Uebermächtigen  zu  entledigen
  versuchen  würden.  Doch  wußten  sie  nur  zu  gut,  daß  Heinrich
  an  dem  Kaiser  den  allersichersten  Rückhalt  hatte,  daß  sie  in
einem  Angriff  auf  des  Welfen  Macht  die  eigene  Stellung  des  Kaisers
  bedrohen,  daher  von  diesem  keine  Art  von  Förderung  zu  erwarten
  haben  würden.  So  lange  also  Friedrich  in  Deutschland
war,  mußten  sie  allen  feindseligen  Plänen  gegen  den  Sachsenherzog
entsagen.  Nun  aber  stand  eine  neue,  voraussichtlich  lange  Abwesenheit
  des  Kaisers  bevor;  Herzog  Heinrich  selbst  war  lange  aus
Sachsen,  dem  eigentlichen  Sitze  seiner  Gegner,  entfernt;  die  unmittelbar
  vorangegangene  Vergewaltigung  des  Pfalzgrafen  Adalbert
von  Sachsen  hatte  den  im  Geheimen  glühenden  Haß  noch  mehr
geschürt.

1)  Chron.  Montis  Sereni  a.  —  eine  eigenthümliche,  nicht  recht  klare
1166  (p.  32):  Milites  Sazxoniae  con-  Aeußerung  möchte  man  auf  ein  solches
iurant,  ne  iura  antecessorum  Berpölmit  beziehen.
suorum  infringi  permittant,

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