Der  große  Fürstenbund  gegen  Heinrich  den  Löwen.  239

Aechtung  des  Erzbischofs  von  Salzburg  hatte  nicht  bloß  das  Gebiet  1167.
des  Erzbischofs,  sondern  fast  sämmtliche  Kirchen  des  Landes  der
räuberischen  Willkür  habgieriger  Ritter  preisgegeben,  die  des  Kaisers
Namen  als  Schild  benutzten  zur  Verübung  der  größten  Gewaltthaten.
  Weder  Frcund  noch  Feind  fand  bei  ihnen  Schonung.  Aber
ungehört  verhallte  der  Hülferuf,  den  die  von  Erchenbert  von  Stein
hart  bedrängte  Reichersberger  Kirche  an  ihren  Schutzvogt,  Herzog
Heinrich  den  Löwen,  ergehen  ließ:  er  konnte  sie  eben  nur  auf  die
Zukunft  vertrösten,  denn  augenblicklich  war  er  in  Sachsen  gänzlich
gefesselt.)

Während  so  durch  wilde  Kämpfe  im  Süden  sowohl  wie  im
Norden  die  Ruhe  des  Reiches  ernstlich  gestört,  namentlich  aber  die
Stellung  des  ihm  so  nahe  befreundeten,  die  beste  Stütze  seiner
eigenen  Macht  bildenden  Herzogs  von  Sachsen  und  Baiern,  und
damit  seine  eigene  nicht  unwesentlich  gefährdet  wurde,  hatte  Friedrich
  I.  selbst  in  Italien  nach  anfänglichen  großen  Erfolgen  mit  dem
widerwärtigsten  Schicksal  zu  kämpfen.  Nach  seinem  im  November
1166  erfolgten  Aufbruch  aus  Deutschland  war  ihm  anfangs  alles
geglückt.  Nach  der  glücklichen  Einnahme  Civitavecchias  und  Anconas
vereinigte  er  sein  Heer  zu  dem  entscheidenden  Schlage  gegen  Rom
und  Alexander  III.  Glänzender  als  je  entfaltete  gerade  in  dieser
Zeit  der  Erzbischof  Reinald  seine  außerordentlichen  Fähigkeiten.  Nach
einem  glorreichen  Siege  über  die  Römer  bei  Tusculum  (29.  Mai)
wurde  Rom  selbst  eingeschlossen  und  endlich,  nachdem  Alexander  III.
selbst  es  verlassen,  zur  Uebergabe  genöthigt.  In  der  erneuten  Krönung
  Friedrichs  durch  den  von  ihm  erhobenen  Paschalis  III.  feierte
Reinald  von  Dassel  den  größten  Triumph  seiner  kühnen  Politik.
Es  sollte  dies  aber  auch  der  letzte  sein:  denn  mit  furchtbarer  Schnelligkeit
  brach  ein  ungeahntes,  verwüstendes  Unheil  über  den  Kaiser
und  die  Seinen  herein,  das  in  wenigen  Tagen  alle  errungenen  Erfolge
  zu  nichte  machte.  Den  Tag  nach  der  Krönung,  am  2.  August,
brach  eine  pestartige  Seuche  im  Heere  aus,  die  widerstandlos  alles
mit  sich  fortriß.  Hoch  und  Niedrig  erlag  ihr  schaarenweise:  unter
den  zahlreichen  Opfern,  die  sie  hinwegraffte,  war  auch  Heinrichs  des
Löwen  Schwiegersohn,  Herzog  Friedrich  von  Rothenburg,  wodurch
die  nicht  lange  erst  vermählte  Tochter  des  Herzogs,  Gertrud,  schnell

)  BUgl.  Heinrichs  LHrief  an  die  Reichersberger  Kirche.  Ann.  Reichersperg.
—  p.  chersberger  Kirch  pers