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240  2.  Buch.  6.  Kapitel.

wieder  zur  Wittwe  wurde.')  Auch  der  Sohn  Welfs  VI.,  der  junge
Welf  VII.,  starb  in  der  ersten  Blüthe  der  Jahre  zum  unendlichen
Schmerze  seines  Vaters.  Ein  unersetzbarer  Verlust  aber  war  der
am  14.  August  erfolgte  Tod  des  Erzbischofs  Reinald  von  Cöln  —
ein  Verlust,  unersetzlich  nicht  bloß  für  den  Kaiser,  sondern  in  fast
noch  höherem  Grade  für  die  gegen  den  mächtigen  Welfen  verbündeten
  Fürsten,  die  in  ihm  des  eigentlichen  geistigen  Hauptes,  des
wirklichen  Lenkers  ihres  Bundes  beraubt  wurden.  Damit  mußte
natürlich  in  ihre  ganze  Haltung  etwas  Unsicheres  und  Schwankendes
kommen,  so  daß  Heinrich  der  Löwe  den  Tod  dieses  gefährlichsten
seiner  Gegner  als  einen  sehr  erfreulichen  Zwischenfall  ansehen  mußte.
Die  verheerenden  Wirkungen  der  Pest  nöthigten  den  Kaiser  zu  schleunigem
  Rückzug.  Der  vollständige  Verlust  des  eben  erst  Gewonnenen
gab  allen  seinen  Feinden  wieder  neuen  Muth:  schien  es  doch,  als
ob  Gott  selbst  ihn  für  den  Frevel  an  der  heiligen  Stadt  und  dem
Haupte  der  Christenheit  furchtbar  gestraft  hätte!  Seine  alten  Gegner,
die  Lombarden,  hoben  nun  wieder  kühn  das  Haupt  und  vereinigten
sich  von  Neuem  zu  einem  allgemeinen  Aufstand,  der  in  Alexander  III.
einen  gewaltigen  Bundesgenossen  fand.  Mit  wenigen  traurigen,
ganz  entmuthigten,  durch  die  noch  immer  ihre  Opfer  fordernde  Seuche
täglich  sich  verringernden  Schaaren  kehrte  Friedrich  jetzt  eilig  nach
Norden  heim.  Gerade  jetzt,  wo  er  selbst  so  sehr  gefährdet  war,  wo
alles,  was  er  bisher  in  Italien  errungen,  wieder  auf  dem  Spiele
stand,  wo  das  Reich  selbst  sein  nächster  Rückhalt  sein  mußte,  —
gerade  jetzt  mußte  er  die  Nachricht  bekommen  von  den  wüthenden
Kämpfen,  die  das  Innere  desselben  im  Süden  wie  im  Norden  durchtobten.
  Doppelt  schmerzlich  mußte  es  ihm  sein,  daß  gerade  der
Mann,  den  er  als  die  festeste  Stütze  seiner  Macht  anfah,  dessen
Händen  er,  wenn  auch  nicht  ausgesprochener  Maßen,  so  doch  der
Sache  nach,  den  Schutz  des  eigentlichen  Relchs  anvertraut  hatte,  —
daß  gerade  dieser  Mann  der  Gegenstand  eines  weitverzweigten,  von
allen  Seiten  mit  der  äußersten,  leidenschaftlichsten  Erbitterung  geführten
  Angriffes  sein  mußte.  Indem  derselbe  gerade  gegen  diesen
gerichtet  war,  den  er  so  hoch  erhoben,  den  er  in  gewissem  Sinne
neben  sich  gestellt  hatte,  mußte  er  sich  selbst  angegriffen  und  angefeindet
  fühlen.  Von  Pavia  aus,  wohin  er  sich  mit  den  traurigen

1)  Helm.  II,  10:  Praeteren  nobi-  riei  dueis  nostri,  insuper  multi  epislissimus

  adolescens,  flius  Conradi-  copi,  principes  et  nobiles  ipso  tempore
regis,  qui  duxernt  unicam  fllium  Hen-  interierunt.