1169.
15.  Aug.

254  2.  Buch.  J.  Kapitel.

der  damals  fünfjährige  älteste  Sohn  des  Kaisers,  Heinrich,  zum
deutschen  König  gewählt  und  am  15.  August  zu  Aachen  feierlich
gekrönt!),  —  ein  Schritt,  durch  den  Friedrich  seinem  Geschlecht  auch
für  die  Zukunft  die  Herrschaft  sicherte.  Ueberhaupt  tritt  gerade  um  diese
Zeit  ein  auf  Sicherung  des  Ansehens  und  der  Macht  seiner  Familie
gerichtetes  Streben  des  Kaisers  klarer  hervor.  Sein  zweiter  Sohn,
Friedrich,  wurde  mit  dem  Herzogthum  Schwaben  ausgestattet,  nachdem
  der  bisherige  Inhaber  desselben,  Friedrich  von  Rothenburg,  der
Schwiegersohn  Heinrichs  des  Löwen,  in  Italien  der  Pest  erlegen  war.
Um  dieselbe  Zeit  sind  vermuthlich  auch  die  ersten  Schritte  geschehen,
durch  welche  Friedrich  seinem  Hause  die  in  nicht  allzu  ferner  Zeit
zu  erledigende  welfische  Erbschaft  sicherte,  —  eine  Erbschaft,  die  für  beide
Theile,  die  Welfen  sowohl  wie  die  Hohenstaufen,  in  einem  gewissen
Sinne  verhängnißvoll  werden  sollte:  denn  diese  Angelegenheit  zuerst
brachte,  —  wenn  nicht  alles  trügt,  —  in  das  bisher  so  ungetrübt
friedliche  und  einträchtige  Verhältniß  der  beiden  mächtigen  Häuser,
wie  es  sich  in  den  engem  Bündniß  des  Kaisers  und  des  Sachsenherzogs
  darstellte,  eine  Störung  und  Misstimmung,  die  zwar  nicht
gleich  offen  ausgesprochen,  aber  in  der  Stille  gehalten  und  gehegt,
später  zu  einem  um  so  gewaltsameren  Ausbruche  führen  mußte.
Diese  Erbschaftsangelegenheit  legte  den  Grund  zu  einer  Misstimmung
  und  Entfremdung,  die  durch  andere  sich  daran  anschließende,
später  bei  wachsender  Abneigung  mit  Eifer  gesuchte  Veranlassungen
zu  Streit,  schließlich  zu  einer  für  beide  Theile  gleich  verderblichen,
namentlich  aber  für  die  innere  Entwickelung  des  Reiches  höchst  verhängnißvollen
  Erschütterung  führen  sollte.

Nachdem  nämlich  der  junge  Herzog  Welf  VII.  als  eins  der
zahllosen  Opfer,  welche  sie  widerstandslos  mit  sich  fortriß,  der  Pest
erlegen  war,  welche  den  letzten  Römerzug  des  Kaisers  im  Augenblick
  des  schönsten  Triumphes  in  einen  eiligen,  fluchtartigen  Rückzug
verwandelt  hatte,  stand  die  Linie  der  süddeutschen  Welfen,  die  altdorfische,
  nur  noch  auf  zwei  Augen.  Der  einzige  aus  ihr  noch
lebende  männliche  Sproß  war  der  greise  Herzog  Welf  VI.  selbst,
und  da  von  ihm  keine  Nachkommen  mehr  zu  erwarten  waren,  so
konnte  man  das  Haus  so  gut  wie  für  ausgestorben  ansehen.  Die
beiden  nächsten  Verwandten  des  greisen  Herzogs,  Heinrich  der  Löwe
und  der  Kaiser,  hatten  wohl  ziemlich  die  gleichen  Ansprüche  auf

1)  Ann.  Colon.  max.  p.  783.