Heinrichs  friedliche  Thätigkeit  in  Sachsen,  u.  s.  w.  255

seine  Hinterlassenschaft.  Durch  das  eigenthümliche  Verfahren
Welfs  VI.  selbst  aber  wurde  diese  Sache  zu  einem  Gegenstande  des
Wetteifers  und  des  Haders  zwischen  den  beiden  bisher  so  eng  befreundeten
  Fürsten.  Schon  seit  längerer  Zeit  hatte  sich  Welf  VI.
von  dem  kriegerischen  und  politischen  Getreibe  seiner  Zeit  zurückgezogen.
  Während  der  Kaiser  zum  vierten  Male  nach  Italien  zog
und  mit  ihm  sein  eigener  Sohn  einem  frühen  Tode  entgegeneilte,
war  Welf  selbst  auf  einer  Pilgerfahrt  nach  Jerusalem  begriffen  gewesen.
  Nach  Deutschland  zurückgekehrt  wurde  er  von  der  Nachricht
von  dem  Tode  seines  Sohnes  getroffen.  Dieselbe  machte  einen
höchst  merkwürdigen  Eindruck  auf  ihn:  nicht,  daß  er  in  finsterem
Kummer  sich  von  der  Welt  und  ihrem  Treiben  zurückgezogen  hätte,
im  Gegentheil,  jetzt,  wo  er  nicht  mehr  für  den  Glanz  und  die
Macht  seiner  Nachkommen  zu  sorgen  hatte,  zog  er  sich  zwar  von
den  Angelegenheiten  des  Reiches  zurück,  aber  nur  um  den  Rest  seines
vielbewegten  Lebens  ganz  dem  Genuß  des  Lebens,  den  Freuden  der
Liebe  und  des  Weins  zu  widmen.  Es  war  ein  lustiges  und  lärmendes
  Leben,  das  sich  nun  an  den  Höfen  zu  Memmingen  und
Ravensburg  entfaltete.  Weit  und  breit  wurde  Herzog  Welf  gepriesen
  als  der  freigebige  Freund  der  Sänger  und  Frauen,  glänzende
Festlichkeiten  mit  Spiel,  Tanz  und  Turnier  drängten  einander,  und
oft  mag  es  da  gar  wild  und  wüst  hergegangen  sein.  Wenigstens  wurde
seiner  Gemahlin  Uta  das  Treiben  bald  zuwider,  es  entstand  eine
Misstimmung,  die  mit  ihrer  Verweisung  endete.  Aber  ein  so  glänzendes
  Leben,  verbunden  mit  einer  sprüchwörtlich  gewordenen  Freigebigkeit
  gegen  Dichter  und  Ritter  kostete  bedeutende  Summen,  und
bald  fing  es  an  dem  lebenslustigen  Helden  an  Geld  zu  fehlen.  Da
griff  derselbe  zu  einem  eigenthümlichen  Ausweg:  er  wandte  sich  an
seinen  Neffen,  Herzog  Heinrich  den  Löwen,  und  versprach,  ihn  zum
Erben  seines  ganzen  reichen  Besitzes  einzusetzen,  wenn  er  ihm  das
zur  Fortsetzung  seines  lustigen  Lebens  nöthige  Geld  zahlte.  Heinrich
  ging  auf  dieses  Anerbieten  bereitwillig  ein,  war  aber  in  der
Erfüllung  der  übernommenen  Verpflichtungen  sehr  lässig  und  zahlte
die  ausbedungenen  Summen  nicht.  Welf,  dem  es  vor  allem  auf
das  Geld  ankam,  war  darüber  aufgebracht,  hielt  sich  nun  auch  seinerseits
  durch  den  Vertrag  nicht  mehr  für  gebunden.  Er  wandte
sich  daher  an  seinen  andern  Neffen,  den  Kaiser  Friedrich,  und  bot
ihm  unter  gleichen  Bedingungen  seine  Erbschaft  an.  Der  Kaiser
ergriff  die  Gelegenheit  zu  einer  so  wichtigen  Erwerbung  mit  Freu-—



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