Heinrichs  friedliche  Thätigkeit  in  Sachsen,  u.  s.  w.  259

thum  Sachsen  an,  aus  dem  Heinrich,  damals  noch  fast  ein  Knabe,
als  Sieger  hervorgegangen  war,  bis  zu  jenem  letzten  heißen  Ringen
zwischen  dem  Herzog  und  den  sächsischen  Fürsten,  —  immer  hatten
sich  diese  beiden  Männer  gegenübergestanden,  immer  nur  auf  kurze
Zeit  angesichts  der  größeren  Angelegenheiten  des  Reichs  ihren  eigenen
  Hader  ruhen  lassen.  Weniger  offen,  aber  ohne  Rast  war  ihr
mehr  indirekt  geführter  Kampf  in  den  slavischen  Gebieten  gewesen:
für  beide  Fürsten  lag  ja  gerade  in  dieser  Richtung  die  Aussicht
auf  Erlangung  einer  bedeutenden  Macht,  und  leidenschaftlich  haben  sie
lange  Jahre  hindurch  mit  einander  gewetteifert.  Großes  haben  in
dieser  Hinsicht  beide  geleistet,  aber  auch  hier  war,  wie  bei  den  andern
  Gelegenheiten,  wo  ihre  Interessen  zusammenstießen,  Heinrich
der  Löwe  der  glücklichere.  Jetzt  wurde  er  durch  den  Tod  von  seinem
  gefährlichsten  Nebenbuhler,  dem  eigentlichen  Haupte  seiner
immer  offener  in  geschlossenen  Reihen  gegen  ihn  andringenden
Feinde  befreit  und  bekam  damit  nur  noch  mehr  freie  Hand  zur  Vergrößerung
  seines  schon  übergroßen  Gebietes.

Zu  Anfang  des  Jahres  1171  wandie  sich  Herzog  Heinrich  nach
seinem  süddeutschen  Herzogthum,  nach  Baiern,  um  auch  dort  mit
starker  Hand  Ordnung  zu  stiften.  Und  wenn  irgendwo,  so  that
dies  gerade  dort  ganz  besonrers  noth.  Alles  Bestehende  war  dort
in  Verwirrung  und  Gefahr  gebracht  durch  die  leidenschaftlichen
Streitigkeiten,  welche  sich  zwischen  Friedrich  und  dem  Erzbischof  von
Salzburg  in  Folge  des  Schismas  entsponnen  hatten.  Wie  dic  von
dem  Kaiser  gegen  den  treu  zu  Alexanver  III.  stehenden  Erzbischof
Conrad  verhängte  Acht  das  Signal  gegeben  hatte  zur  Entfesselung
aller  Raub=  und  Beutelust,  haben  wir  früher  gesehen;  ebenso,  wie
selbst  die  unter  dem  mächtigen  Schutze  des  Herzogs  von  Sachsen
und  Baiern  stehenden  Kirchen  und  Klöster  von  dem  alles  verheerenden
  Sturme  nicht  verschont  blieben.  Selbst  durch  den  Tod  des
Erzbischofs  Conrad  war  dem  traurigen  Zustande  des  Landes  nicht
abgeholfen  worden:  ja,  als  der  von  den  Anhängern  des  Kaisers
zum  Nachfolger  desselben  erwählte  Ladislaus,  des  Königs  von  Böhmen
Sohn,  durch  Annahme  des  ihm  von  Alexander  III.  geschickten  Palliums
  Miene  machte  sich  viesem  anzuschließen,  traf  der  Zorn  des
Kaisers  das  schon  einmal  so  schwer  heimgesuchte  Land  von  neuem.
Ueberhaupt  traten  gerade  in  Baiern  die  traurigen  Folgen  des  so
lange  andauernden  Schismas  ganz  besonders  grell  zu  Tage.  Nicht
bloß  in  Salzburg  herrschte  leidenschaftlicher  Streit,  auch  der  Bischof

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1171.r